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Die Va-Co Filmgesellschaft mbH

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Vanelli & Company

Wie Arthur Schmidt-Sturmburg war auch Friedrich Werther-Vanelli ein Theaterregisseur und -darsteller. 1920 hatte er ein Engagement beim Reichshallen-Operetten-Theater in Köln. Wie Schmidt-Sturmburg (vielleicht sogar von dessen 1918 gedrehtem Bio-Pic über Richmodis von Aducht beinflußt) träumte Werther-Vanelli davon, berühmte Erzählungen aus dem mittelalterlichen Köln mit angesagten Kölner Operetten-Stars und einem Riesenaufgebot von Komparsen zu verfilmen. Zur Umsetzung seiner ambitionierten Projekte brauchte Werther-Vanelli einen finanzkäftigen Kompagnon. Diesen fand er in dem Gastwirt Friedrich Heydmann, der zu dieser Zeit eine Restauration mit angeschlossenem Saal in der Blumenthalstr. 87 unterhielt. Heydmann, der seinen Saal auch für Auktionen und als Wahllokal vermietete, hatte bei seiner Beteiligung sicher auch an exklusive Vorführrechte der Eigenproduktionen in seinem Saal gedacht. Der Firmennahme Va-Co geht wohl auf Vanelli und Company zurück. Der erste Film der Va-Co Filmgesellschaft mbH trug den Titel „Das Weib des Overstolzen“ und erzählte aus dem Leben der mittelalterlichen Kölner Patrizierfamilie.(Kinematograph Nr.707 August 1920) Kölner Operettendarsteller übernahmen die Hauptrollen. Kameramann Edmund Epkens gewann man vielleicht über Hugo Diehl vom Reichshallen-Operetten-Theater. Dieser hatte 1919 für die Cyklop-Filmgesellschaft, an der Epkens beteiligt war, bei mindestens einem Film mitgewirkt.

Annonce
Annonce für einen Auftritt Friedrich Werther-Vanellis in der Bergisch Gladbacher Volkszeitung v. 27.November 1920
Quelle: www.zeitpunkt.nrw

Im August 1920 gab Werther-Vanelli die Trennung von Gastwirt Heydmann bekannt1. Heydmann hatte das Erstlingswerk wohl eigenmächtig unter dem Label Heydmann Films Cölnübernommen (Kinematograph Nr.709) und dabei vermutlich erkannt, daß er seinen Saal eher mit zeitgenössischen Lustspielen oder Sensationsfilmen gefüllt bekam, als mit mehr oder weniger anspruchsvollen Historienfilmen. Ebenfalls unter seinem Namen produzierte Heydmann noch den, demonstrativ als „zeitgemäßes Filmstück“ beworbenen Film „Ihr letzter Fall“, wieder mit den bewährten Zuschauermagneten Lensch und Millowitsch. Edmund Epkens übernahm auch bei diesem Film die Kameraführung. Friedrich Werther-Vanelli nahm als neuen Kompagnon für den kaufmännischen Teil einen Dr. O.Schröder mit ins Boot, das Stammkapital der Firma wurde auf 100.000 Mark erhöht. Er frönte seiner Vorliebe für historische Stoffe mit der Realisation eines weiteren Historienfilms unter dem Titel „Der Tod im Spiegel“, dessen Handlung aus einem modernen und einem im Mittelalter angesiedelten Teil bestand. Kameramann und neuer technischer Leiter der Va-Co war der Kölner Photograph Felix Kratz. Ab Oktober 1920 waren der Kaufmann Max Bänisch Schauspieler und Filmregisseur Heinrich Unger die neuen Geschäftsführer der Va-Co. Unternehmenszweck war nun die Herstellung und Vertrieb der im Geschäftsverkehr bekannten Va-Co-Filme. HR Abt. B Nr. 3310 Bänisch war zeitweise an dem Verlag beteiligt, unter dem Kratz seine Fotografien vermarktete. In dieser Zeit empfahl sich die Va-Co mit Kameramann Kratz als Herstellerin von Industriefilmen u.a. für die Polig AG, Köln. Anfang 1921 gab Unger den Geschäftsführerposten auf. Januar 21 vaco Friesenplatz 16 1921 realisierte die Va-Co den Film „Das Glück am Rhein“. Im selben Jahr (März 1921) trat Friedrich Werther-Vanelli mit Fritzchen-Humoresken unter dem Firmennamen Filmfabrik Fr.Werther-Vanelli mit Adresse Hansahaus Friesenplatz 16 hervor und drehte ein dreiteiliges Lustspiel mit Grete Weixler. Am 22. August 1924 wurde die Firma von Amts wegen aus dem Handelsregister gelöscht.

Werbeannonce
Annonce für die Va-Co in Kölnische Zeitung (11.11.1920)
Quelle: www.zeitpunkt.nrw

Dem Gastwirt Heydmann bekam sein Gastspiel im Filmbusiness am Ende möglicherweise nicht so gut. 1929 wurde sein Antrag auf eine Wirtschaftskonzession für ein Hotel in Honnef vom Bezirksausschuß aus Gründen abgelehnt, die ausschließlich in seiner Person lagen. Vielleicht hatte man seinen Ausflug ins nicht volksbildende und kulturfördernde Filmgenre in der Provinz nicht vergessen und war in Sorge, daß er die neue Spielstätte für jugendgefährdende Vorführungen nutzen würde.

Filmografie

Hier soll eine möglichst umfassende Auflistung der Filme erfolgen, die die Va-Co Filmgesellschaft mbH sowie die Heydmann Films Cöln produziert hat. Über Hinweise, Ergänzungen und Verbesserungen würden wir uns freuen. Die Filmografie wird ständig ergänzt und erweitert.

„Das Weib des Overstolzen“,1920

oder:„Die Klosterbraut“

Historienspiel, 4 Akte

Darsteller:2

*Das Z-Wort wurde hier und im Folgenden unverändert übernommen, da es sich um ein Zitat aus einer zeitgenössischen Annonce handelt.

technischer Stab:

Zeitungsannonce
Filmwerbung für „Das Weib des Overstolzen“ mit Aufzählung der Kölner Drehorte in: Rheinische Volkswacht Abend-Ausgabe 6.10.1920
Quelle: www.zeitpunkt.nrw

Auszüge aus der Kinowerbung/-kritik:

„Schauspiel aus dem Mittelalter. Wie die Fugger u. Walser, die ersten Kaufleute der Welt waren, so saß in Köln die alte Patrizierfamilie Overstolz als reichste Bürger der Stadt. Das Leben und Treiben der Glanzzeit, in der deutschen Geschichte spiegelt dieser Film wahrheitsgetreu wieder. Wunderbare Bilder von packender Wirkung durchziehen die Handlung, die sich in streng logischen Gesetzen bis zum Höhepunkte des Dramas steigert und am Schlusse einen versöhnlichen Ausgang findet.“

Iserlohner Kreisblatt Nr.281, 7.12.1920

Bemerkung: Die heimliche Hauptrolle der Klosterbraut hatte Cordy Millowitsch ergattert. Die Kölnerin Cordula „Cordy“ geb. Ducque, geschiedene Millowitsch, war zu dieser Zeit ein angesagter Operettenstar, mit Auftritten in Berlin, Wien und Konstantinopel. Eine während letzterem Gastauftritt gestreute Falschmeldung über ihre Ermordung durch einen „Paschasohn“ 1918 bediente gängige Klischees und wurde von der Presse dankbar aufgenommen3. Daneben werden 500 weitere Mitwirkende genannt. Jahre später erinnert sich Edmund Epkens an Dreharbeiten in mittelalterlichen Kostümen auf dem Kölner Friedhof Melaten, deren Wahrnehmung als Störung der Totenruhe durch einen Friedhofswächter und einen Polizisten bei Cordy Millowitsch einen Wutanfall auslösten, sowie an cinematographische Patzer wie Telegrafenleitungen, die ab und zu ins Bild kamen4. In Bergisch-Gladbach wurde der Film mit seinem Zusatztiteltitel „Die Klosterbraut“ vermarktet, sowie dem Hinweis, daß ein Teil des Films [...] in Gladbach und Umgegend aufgenommen [wurde], unter Mitwirkung Gladbacher Bürger5. Weitere Drehorte sind: Eingang zu Maria im Kapitol, der Krieler Dom, der Stadtwald, die Godesburg, der Drachenfels sowie Bonn, Königswinter und die Stadt Zons6. Die Presse-Vorführung fand am 17.August 1920 um 10.30 Uhr in den Agrippina-Lichtspielen in Köln statt.

„Der Tod im Spiegel“, 1920

Historien-, Sensationsfilm, 5 Akte

technischer Stab:

Darsteller:

Inhalt:
In einem modernen und einem im Mittelalter spielenden Teil wird jeweils von den Qualen eines von Wahnvorstellungen gepeinigten Menschen erzählt und von dem Leiden derer, die ihm helfen wollen, aber von ihm gehaßt werden.

„Ihr letzter Fall“, 1920

Sensationsfilm, 4 Akte

Darsteller:

technischer Stab:

Inhalt:
unbekannt

Bemerkung:Heydmann jr. hat auch hier eine Rolle abgestaubt. Eine Presse- und Interessentenvorführung fand am 22.September 1920 im Apollo Lichtspielhaus, Schildergasse statt7.

„Fritzchen als Kommunist“, 19218

Lustspiel, 1 Akt

technischer Stab:

Darsteller:

„Fritzchen boxt“, 19219

Lustspiel, 1 Akt

technischer Stab:

Darsteller:

„Das Glück am Rhein“, 192110

Lustspiel mit historischen Elementen, 5 Akte

Darsteller:

technischer Stab:

Zeitungsannonce
Filmwerbung für die Premiere von „Das Glück am Rhein“ im Kölner Film-Palast mit Darstellernennung in: Rheinische Volkswacht Abend-Ausgabe 18.Mai.1922
Quelle: www.zeitpunkt.nrw

Inhalt:
Die beiden jungen Architekten Karl Kurbel und Fritz Baustein verpflichten sich im Rahmen einer spontanen Wette, sich ohne Geld und Proviant von Köln aus auf eine Tour an den romantischen Orten des Rheins entlang zu begeben. Nächtigen wollen sie unter freiem Himmel, bei der Verpflegung bauen sie auf Spenden. Parallel zur Tour verläuft die Autofahrt einer gutsituierten Kölner Familie, deren zwei Töchter am Nebentisch zufällig Zeugen der Wette wurden. Natürlich kreuzen sich die Wege der beiden Lebenskünstler immer wieder mit denen der Familie, was aufgrund des Vorwissens der Mädchen zu komischen Verwicklungen führt. Durchbrochen wird das Handlungsgerüst durch von renommierten Theaterdarstellern dargestellten Motiven aus der rheinische Sagenwelt.

Auszüge aus der Kinowerbung/-kritik:

„“

Iserlohner Kreisblatt Nr.281, 7.12.1922

Bemerkung: Die gerade gegründete Neuland Kinematographie GmbH übernahm den Vertrieb was dem Film ein Verwertung abseits der Kinos in Vereinshäusern einbrachte Auch die Kinovorstellungen des Films wurde wurde stilecht und publikumswirksam mit rheinischen Liedern begleitet3. Der Photograph und Kameramann Felix Kratz gab eine Postkartenserie zum Thema Rheinromantik heraus. 4. 5. Weitere Drehorte sind: Rüdesheim6. Die Presse-Vorführung fand am 17.August 1922 um 10.30 Uhr im Film-Palast in Köln statt.

Quellen:
1 Kinematograph Nr.711, August 1920
2 Kinematograph Mai 1921 2 laut Annonce im Kinematograph Nr.708 August 1920
3 Echo der Gegenwart 16.5.1918, Iserlohner Kreisblatt 25.5.1918 Nr.121
4 Köln im Film, „Filmgeschichte(n einer Stadt)“, Köln 2016 Aretz, Schoor
5 Bergisch Gladbacher Volkszeitung 23.12.1920
6 Rheinische Volkswacht Morgen-Ausgabe 5.10.1920 Nr.348, Rheinische Volkswacht Abend-Ausgabe 6.10.1920, Nr.351
7 Kinematograph Nr.714, September 1920
8 Kinematograph Nr.736, März 1921
9 ebd.