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Die Tonbild-Epoche in Köln 1903-1912

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Oskar Messter, selber Produzent von Tonfilmen, veranschlagte für die erste Tonfilmepoche den Zeitraum von ca. 1903-19131. Als Ton- bzw. Synchronbilder wurden kurze Filmbänder bezeichnet, für die eine bildsynchron abspielbare, den Bildinhalt begleitende Phonographenwalze bzw. Nadeltonplatte mitgeliefert wurde. Bild- und Tonträger sollten dann im Idealfall völlig synchron abgespielt werden. Zur Herstellung der Synchronizität gab es verschiedene technische Ansätze.

1891-1900 Vorformen des Synchronbilds

Thomas Alva Edison beschäftigte sich bereits 1891 mit den theoretischen Grundlagen eines kombinierten Ton-Bild-Apparats. Sein um 1896 auch in Deutschland vorgestelltes Kinetophon diente der Vertonung der Serienbilder seines Kinetoskops. Allerdings handelte es sich bei Edisons Geräten noch um Münzautomaten, auch war eine tatsächliche Synchronizität noch nicht gegeben.

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Stollwerck präsentiert in seiner Automaten-Ausstellung 1896 neben dem Cinématographe Lumière auch Edisons Phonograph Kinetoskop und Kinetophon. Wer noch härter im Nehmen war, konnte sich mittels Professor Roentgens X-Strahlen -Automat hochdosiert durchleuchten lassen. Werbeannonce in: Kölnische Zeitung v. 15.Dezember 1896
Quelle: www.zeitpunkt.nrw

Elektro-mechanische Zwangskopplung

1898 ließ der französischen Photograph Auguste Baron seinen Entwurf für eine elektro-mechanische Zwangskopplung von Walzen-Phonograph und photographischen Serienbildapparat zur Erstellung und Wiedergabe von kombinierten Bild-Ton-Aufnahmen patentieren. Barons Erfindung bestand aus einem nebeneinander aufgestellten kinematographischen Kamera-Projektions-Apparat und einem Walzen-Phonograph. Mit den handbetriebenen kinematographischen Apparat wurde ein Kollektor angetrieben, der wiederum die Stromversorgung und darüber den Lauf des Phonographen steuerte und auf diese Weise beide Maschinen koppelte.

1901 Léon Gaumonts Chronophon

Gaumont brachte ab Anfang des 20.Jahrhunderts Synchroneinrichtungen (u.a.Chronophon) heraus.

1903 Messters Biophon

Manuelle Kopplung nach Zeigeinstrumenten

1903 beschreibt der Berliner Kinopionier und Erfinder Oskar Messter in seinem Patent Nr. 177685 seinen Entwurf einer Ton-Bild-Kombination bei der Bild- und Ton-Apparat auch in größerer Entfernung von einander betrieben werden konnten, da sie keiner elektro-mechanischen Kopplungseinrichtung bedurften. Bei Messters System steuerte eine vom Phonographen taktmäßig angetriebene Reguliervorrichtung automatisch den synchronen Gang des Kinematographen. Die Geschwindigkeit des Grammophons konnte durch seinen Antrieb durch einen Federwerkmotor über den Lauf einer Platte konstant gehalten werden. Abweichungen in der Synchronizität beim Projektorwerk wurden mittels optischer und akkustischer Signale angezeigt und konnten vom Vorführenden behoben werden. Die Reguliereinrichtung konnte somit im Handkurbelbetrieb, aber auch bei Motorbetrieb des Kinematographen eingesetzt werden. Die Nachregelung (Verlangsamung bzw. Beschleunigung) mittels Handkurbelbetrieb war natürlich unpräziser, weswegen Messter den Synchronmotorbetrieb in Kombination mit Bremseinrichtungen bevorzugte. Um einen synchrones Bild-Ton-Anfahren zu gewährleisten, waren die Filme mit Startmarken im Bildfenster des Vorspanns versehen, die Nadeltonplatten verfügten zur richtigen Positionierung über eine spezielle Einführungslinie und eine Startmarke.

Der wichtigste Aspekt bei Messters System war die räumliche Trennung von Bild- und Tonapparat. Der Projektor stand (in einer Brandschutzkabine) hinter dem Publikum. Das Grammophon war auf der Bühne vor der Leinwand oder hinter der Leinwand untergebracht. Da der Ton aus dem Grammophon nur über Schalldose und Trichter verstärkt wurde, Verstärker und Lautsprecher gab es bekanntlich noch nicht, ermöglichte erst die getrennte Anordnung ein brauchbares Klangerlebnis.

Meßters Reguliersysteme wurden unter der Bezeichnung Biophon bzw. Biophotophon (v. altgriechisch βίοτος,[bíotos]=Leben, φωνή [phōnē]= Klang, Stimme) vertrieben. In den meisten zeitgenössischen Berichten wird das Biophon mit Messters Kosmograph- Projektorwerk verwendet.

In der Hoch-Zeit der Tonbilder 1907-1909 betrieb Messter in allen größeren Städten sogenannte Biophon-Theater mit seiner Technik und seinen Tonbildern im Programm.

Aufnahme der Tonbilder

Die Aufnahmen fanden in Messters Atelier im 5.Stock der des Firmengebäudes Friedrichstraße 16 in Berlin statt. Die Tonaufnahmen waren zuvor getrennt erfolgt. Die Sänger*innen der Opern- und Operettenarien, die Protagonisten der Sketche agierten auf der ausgeleuchteten Bühne lippensynchron zu den, ihnen über ein Grammophon zugespielten vorher eingesprochenen bzw. eingesungenen Tonaufnahmen. Das Grammophon war wiederum synchron mit dem Aufnahmegerät (Thaumatograph) verbunden.

Länge eines Tonbilds

maximal fünf Minuten, Messter konnte längere es nach eigenen Angaben einen Akt (15-20 Minuten) eines Operettenfilms mit mehreren wechselnden Plattentellern synchron abzuspielen.

Sujets der Tonbilder

Oper/Operettenarien, Märsche, Sketche

Bekannte Darsteller/Interpreten

Probleme

Hauptmanko der ersten Tonbild-Präsentationen war die zu geringe die Klangverstärkung. Messter begegnete dem Problem, in dem er mehrere Grammophone nebeneinander laufen ließ, dies erhöhte in seiner Erinnerung jedoch eher die Störgeräusche, als das es die Lautstärke verbesserte.

1905 wurde das erste mit Druckluft betriebenes Starkton-Grammophon von dem Erfinder der Dampfturbine, Charles Parsons vorgestellt. Das Auxetophon (grch. αύξάνώ = vermehre, verstärke) arbeitete mit einem Druckluftventil. Dieses Ventil besteht aus einer Reihe von schmalen Spalten, die mit einem feinen Kamm bedeckt sind. Die Vibrationen dieses Kammes erzeugten den Ton, der bei höchstem erreichbaren Druck noch in fünf Kilometer Entfernung hörbar sein sollte.1

Anfang 1907 brachte die Deutsche Grammophon AG ein leistungsfähiges Auxetophon auf den Markt. Zum selben Zeitpunkt eröffneten in Köln mehrere stationäre Kinematographen mit Tonbild-Technik. Obwohlh Messter in seinem Biophon-Theater in Köln vermutlich auch eines der neuen Auxetophone benutzte merkte der Berichterstatter anläßlich der Premierenvorstellung des Biophon-Theaters Köln 1907 an, daß das Tonbild Fehrbelliner Reitermarsch zu wenig mächtig und kampfartig klang, während die Solodarbietungen überzeugen konnten2 .

Gaumont vertieb zu seinem Gleichlaufsystemen Chronophon ab 1907 das Chronomégaphone3 bzw. später die Elgéphone (Elgé=LG=Léon Gaumont) Starkton-Maschine.

Werbung für das Auxetophon
Jakob Wagen vertreibt Ende 1911 Kinoapparate und Auxetophone in: Kölner Local-Anzeiger v. 28.Oktober 1911

Bei mehrfach gespielten Tonbildern kam das Problem der der mangelnden die Lippensynchronizität bei Sprach- und Gesangsaufnahmen durch Schäden und Schnitten in der Filmkopie

Zur Tonbildvorführung benötigte man technisch sehr versierte, am besten in dem jeweiligen System ausgebildete Operateure.

Weitere Tonbild(technik)-Produzenten

Nachdem um 1907 Starkton-Grammophone auf den Markt kamen, befaßten sich die meisten bekannten Filmfirmen mit der Tonbildtechnik und brachten Gleichlauf-Systeme auf den Markt. Einige nutzten die, von Meßter populär gemachte manuelle Nachregulierung. Meßter reichte gegen fünf deutsche Firmen, die sich mit ihren Tonbild-Mechanismen zu nah an seinen Patenten orientierten, nach eigener Aussage erfolgreiche Klagen ein, erhielt jedoch im Endeffekt keine Entschädigung. Mit seinem französischen Konkurrenten Léon Gaumont traf er die Absprache, daß er nur den deutschen Markt belieferte, während Gaumont sich auf den französischen beschränkte. Später arbeitete Messter mit Gaumont zusammen. mit regulierbarer Klangstärke hervor. Da die manuelle Nachregelung, insbesondere, wenn sie von nicht geschultem Personal im Kurbelbetrieb ausgeführt wurde auch oft zu wünschen übrig ließ, setzten einige Firmen auch wieder auf vollautomatisierte Kopplungssysteme. Wir stellen hier nach und nach alle uns bekannte Erfinder/Produzenten von Tonbildtechnik vor.

Alfred Duskes, Berlin

Duskes war ein direkter Konkurrent Oskar Messters. Wie Messter hatte auch er Projektoren, u.a. den Vitograph konstruiert, der von Wander-Operateuren in verschiedenen Spezialitäten-Theatern in Köln eingesetzt wurde. Duskes brachte um 1907 ebenfalls ein Überwachungssystem mit Meldeanzeigen bzw. Läutewerken heraus, das dem, im Kurbelbetrieb Vorführenden, die Überwachung des Synchronlauf und bei Abweichung der Projektorgeschindigkeit Anpassung an den Lauf des Auxetophons ermöglichte. Dazu brachte Duskes zugehörige Tonbildplatten unter dem Namen Cinephon Starkton Rekord für handelsübliche Auxetophone heraus. Ca. ab Anfang 1907 läßt er nach eigenen Angaben 41 Patente und Gebrauchsmuster in allen Kulturstaaten anmelden4.

Im Oktober 1907 inserierte Duskes in der Zeitschrift Kinematograph Nr.42 für 25 in Apparatetechnik und Stromarten vertraute Operateure zur Vorstellung seiner Cinephon-Einrichtungen in Varietés und auf Reisen5

Paté freres

Synchrophon, Druckluft-Platten-Phonographe Pathé 1907

Deutsche Vitaskop/Bioscop, Jules Greenbaum, Berlin

Projektionsapparat Vitascope, Synchon-Einrichtung in Verbindung mit Prot(r)ectophon, Vitascope III mit Synchroscope

Astra Kinematographenwerke , Berlin

Kinematophon zur Aufnahme und Wiedergabe, für beliebige Bilder konnten Sprechaufnahmen hergestellt werden 1907

Kinematographen-Fabrik und Films-Verleih-Institut Glüer & Co, Berlin, 1907

Für ihre Projektorwerke Lucifer und Excelsior boten Glüer & Co September 1907 das Kinematophon, später das Excelsiophon an.

Thorogesellschaft mbH, Hamburg, Vertrieb: Max Loeser, Berlin

Thoroapparate, maschineller Synchronbetrieb, keine Überwachung des Operateurs nötig, kein Handbetrieb, mit jeder Maschine nutzbar. Sowohl Auxetophon, als auch Projektor sind im Lauf regelbar.

Internationale Kinematographen und Licht-Effekt-Gesellschaft, Berlin

Vertrieb des im März 1907 von Max Hellmann patentiertem, mit Magnetkraft arbeitendem Vivandophon (auch Vivantophon). Funktionsmerkmale: kein Handbetrieb, keine Überwachung durch Operateur

1903 - 1906 Erste Tonbildaufführungen in Köln

Die ersten musikalisch illustrierten Bilder wurden in Varietäten- und Spezialitäten-Theatern von Wanderoperateuren vorgeführt. Der schon geläufige Ausdruck lebende/lebendige Bilder bzw. Photographien wurde in den Werbeannoncen und Flugblättern um die Adjektive sprechend, musizierend und singend ergänzt.

Spenkers illustrierte Lieder

Im Dezember 1903 gastierte auch der Wanderkinematographenoperateur und Photograph Franz Spenker in der Philharmonie. Spenker führte nach eigenen Angaben ein Grammophongerät der International Zonophone Company mit sich und ließ begleitend zu seinen Bildvorführungen auf einem Biograph-Projektor synchrone Musik- und Sprachaufnahmen laufen. Spenker bezeichnete seine Bild-Ton-Vorführungen als „gesetzlich geschützt“. Ob er eine (von ihm selbst) konstruierte Gleichlaufeinrichtung einsetzte oder den Lauf beider Geräte (möglicherweise auch durch Hilfspersonal) rein manuell (ohne Anzeige) aufeinander abstimmte ist uns bisher nicht bekannt. Messter ließ seine Biophon-Vorführungen gerne auch von geschultem Personal vorführen, zwecks Qualitätssicherung. Interessanterweise wurden Spenkers Darbietungen in der Philharmonie als „Spenkers illustrierte Lieder“ beworben, das Bild war also der Musikbegleitung untergeordnet.

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Spenker wirbt für einen seiner Auftritte in: Dürener Zeitung v. 11.Oktober 1902
Quelle: www.zeitpunkt.nrw

Phono-Kinematoskop System Buderus

1904 wurde der auch auf Jahrmärkten beliebte im Reichshallen-Theater vorgestellt. Vermutlich handelt es sich hier um ein Stahlprojektorwerk der für ihre Eisengießereien bekannten Unternehmensgruppe Buderus. Der Name Phono-Kinematoskop erinnert sehr an von Edison patentierte und auf den Markt gebrachte Geräte. Wer sich hinter diesem System verbarg, ob es sich tatsächlich um ein Gleichlaufverfahren handelte, ist uns bisher nicht bekannt.

Annonce
Annonce für Buderus in: Kölner Local-Anzeiger v. 16.April 1904
Quelle: www.zeitpunkt.nrw

Messters Biophon

1905 gastierte ein geschulter Technker mit Messters Patent, dem Biophon im Reichshallen-Theater .

Annonce
Annonce für Messters Biophon in: Kölner Local-Anzeiger v. 31.August 1905
Quelle: www.zeitpunkt.nrw

1907-1910 Hoch-Zeit der Tonbilder in Köln

1907 - Das erste Starkton-Grammophon (Auxetophon) kommt auf den Markt. Kleine Theaterbesitzer und große Ketten rüsten auf Tonbildbetrieb um. Zwei eigenständige Tonbild-Theater werden Köln.

Kolonialwarenhändler und Volkskino-Pionier Joseph Erpelding stattete mindestens vier der von ihm und seinem Kompagnon Josef Kühbach gegründeten (Vor)stadt-/Stadtteil-Kinematographen mit Duskes Cinephon-Einrichtung aus.

1907-1908 Tonbild-Theater in der Innenstadt

1907-1909 Tonbild-Theater in den Stadtteilen/Vorstädten

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Der Deutsche Flottenverein, Ortsverband Mülheim am Rhein zeigt im Januar 1909 Tonbilder im Schützenhaus an der Frankfurter Straße. Annonce in: Mülheimer Volkszeitung v. 20.Januar 1909
Quelle: www.zeitpunkt.nrw

1909-1910 Gründungen vor dem Niedergang

Um 1910 waren die eigens zu Präsentation von Tonbildern (üblicherweise im Wechsel mit nicht synchron begleiteten lebenden Bildern gegründeten Biophon-Theater und Tonbild-Theater bereits wieder verschwunden.

Dennoch hatte sich die Starkton-Technik weiter verbessert. Im März und Juni 1910 eröffneten noch einmal zwei neue Tonbild-Theater.

1912 Endgültiges Ende der Tonbild-Ära

Die letzten noch bestehenden Tonbild-Theater entfernen den Zusatz „Tonbild“ aus ihren Namen. Das Tonbild-Cinema wird Thalia-Theater, das Scala Cinema und Tonbild-Theater heißt nur noch Scala-Theater.

Kurzlebige Nachfolger

1913 Edisons Kinetophon

Um 1913 brachte Thomas Alva Edisons noch einmal eine zeitgemäße Version seines Kinetophons auf den Markt. Hierbei handelte es sich wie bei den Tonbildern um eine Synchronkopplung von Bild- und Tongerät. Auch diese wird sich nicht langfristig durchsetzen.

Annonce für den Vertrieb des Kinetophons
Annonce für den Vertrieb von Edisons Kinetophon in: Kölnische Zeitung v. 9.Januar 1914
Quelle: www.zeitpunkt.nrw

In Köln betrieb das Moderne Theater um 1914 kurzzeitig ein Kinetophon.

1 Düsseldorfer Zeitung v. 2.April 1905
2 Kölner Local-Anzeiger v. 4.Mai 1907
3 https://en.wikipedia.org/wiki/Compressed_air_gramophone
4 Kinematograph Nr.58, 1908
5 Kinematograph Nr.42, 1907

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