Plastische Rundumansichten
Stereoskopen
ZurückEnde des 18.Jahrhunderts wurden 360° Ansichten, aus dem Lateinischen auch als Prospekt bezeichnet, populär. Dabei handelte es sich anfänglich um großformatige Gemälde, meist von Landschaften, Städten und berühmten Schauplätzen der Geschichte. Der Ire Barker hatte 1793 erstmalig ein Panorama von Portsmouth und der Isle of Wight in London erstellt. Um 1800 war dieses Panorama möglicherweise auch das erste in Deutschland gezeigte)1. Rundgemälde wurden je nach Typ verschieden bezeichnet, allen Bezeichnungen gemeinsam war die Endung -orama (abgeleitet vom griechischen τό ὅραμα hórāma für „Ansicht, Spektakel“). Letztendlich gab es auch Mischtypen, bzw. bestehende Typen wurden durch Hinzufügen weiterer Requisiten und Komponenten zu neuen, mit werbewirksamen Begriffsvariationen bezeichneten Attraktionen.
Panoramen in Köln
Als Panoramen (griech. Verbundwort aus παν- pan = alles + τό ὅραμα hórāma für "Ansicht Spektakel“) bezeichnete man große Wandgemälde, die durch perspektivische Verzerrung Dreidimensionalität vortäuschen sollten (Trompe-l’œil-Effekt)2. Die plastische Wirkung ist auf die Stellung des Betrachtenden (oft ein fest aufgestelltes Podium) ausgerichtet. Der Schlachten- und Panoramenmaler Jean-Charles Langlois (1789-1870) führte für sein Panorama der Seeschlacht von Navarino die Betrachterbühne als Hinterdeck eines vollausgerüsteten Schlachtschiffes aus3. Bestenfalls soll das Panorama, auf einer gekrümmten Leinwand bzw. in einem runden Gebäude aufgestellt, den Gesichtskreis des mittig positionierten Betrachtenden ausfüllen. Der Täuschungs-Effekt verstärkte sich in den darauffolgenden Jahrzehnten weiter durch Platzierung von beweglichen Figuren (Androiden, Automaten) und Gegenständen im Vordergrund der Leinwand. Auf diese Art wurden berühmte Schlachten oder entfernte Weltgegenden noch realistischer nachgestellt. Nach den Panoramen kamen kurzzeitig auch Panstereoramen auf, dreidimensionale erhabene Ansichten von Städten Landschaften etc., die die Perspektive einer Ballonfahrt simulieren sollten.
Dioramen in Köln
Das ursprüngliche Diorama, auch Diaphanorama genannt, (griech. Verbundwort aus δι- Präfix zu διαφανής=durchscheinend + τό ὅραμα hórāma für „Ansicht Spektakel“, dtsch. auch Transparent-Gemälde), dessen Erfindung dem Photographie-Pionier Daguerre zugeschrieben wird,4 bezeichnete eine durchscheinende Leinwand auf deren Vorderseite ein Gemälde, z.B. eine Stadtansicht bei Tag, im Sommer befand. Die Rückseite zeigte die selbe Ansicht bei Nacht oder im Winter bei Schneegestöber. Bei der Wahl und Zusammensetzung der Farben wurde die transparente Leinwand berücksichtigt. Durch Vorder- bzw. Hintergrundbeleuchtung konnten nun verblüffende Wandel- und Bewegungseffekte zwischen den verschiedenen Ansichten erzeugt werden, ähnlich der wenig später aufkommenden Nebelbilder. Im Lauf der Zeit wurden auch bei den Dioramen zusätzlich plastische Requisiten, Tierpräparaten oder (Wachs)Figuren im Vordergrund ergänzt.
Quelle: www.zeitpunkt.nrw
Herr Laidlaw aus London stellte sein Panorama der Schlacht von Belle-Alliance (Waterloo) sowie sein Diorama der Stadt Algier im Domhof bei Herrn Horst (um 1827 Betreiber des Domhotels) aus. Das Diorama verfügte über folgende Wandeleffekte: Ansicht von Algier im Sommer, Annäherung und Belagerung durch die englische und holländischen Flotte bei Nacht. Brennende Schiffe, Algier wird zum Raub der Flammen, Kugeln, Bomben Raketen zischen durch die Nacht.
Georamen in Köln
Als Georamen (griech. Verbundwort aus γεω- Erd- + τό ὅραμα hórāma für „Ansicht Spektakel“) bezeichnete man mobile Bauten in Form eines Globus, in dessen Innerem man Panorama-Ansichten fremder Weltgegenden sowie auch Darstellungen der gesamten Erdoberfläche betrachten konnte5. Der Mechanicus Franz Mayrhofer aus Wien6 präsentierte sein Welttheater 1822 am Domhof bei Lempertz (um 1822 Betreiber des Domhotels). Ende 1839 bis Anfang 1840 gastierte er erneut in Köln. Diesmal stellte er sein optisch-mechanisches Georama im Saal in der Glockengasse vor, den der Posthalter Pauli auf seinem Hofe neu erbaut hatte. Auch die künstlichen Wasserspiele und die Phantasmagorien waren Teil der Vorstellung. Die gesamte Präsentation wurde mit einem Fortepiano begleitet.
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Cycloramen in Köln
Als Cycloramen (griech. Verbundwort aus κυκλο- rund, sich im Kreis bewegend + τό ὅραμα hórāma für „Ansicht Spektakel“) bezeichnete man Panoramen auf einer kontinuierlich entrollbaren Leinwand, meist von Verläufen berühmter Flüsse von der Quelle bis zur Mündung, berühmten Schlachten. Anfang und Ende der Leinwand waren auf Walzen befestigt so daß diese mittels Kurbel vor dem auf einem Podium befindlichen Publikum, üblicherweise von links nach rechts entrollt werden konnte. Dies geschah meist in abgedunkelten Räumen bei wechselnder Hintergrundbeleuchtung um Zeitverläufe sichtbar zu machen. Zusätzlich wurde eine ansprechende Musikbegleitung zur Stimmungsverstärkung eingesetzt.
Riesen-Cycloramen wurden in Köln ab Anfang der 1850er Jahre gezeigt. Bei Harff auf dem Domhof stellte der Amerikaner James Taylor sein Riesen-Cyclorama des Mississippi-Stromes von den St. Anthony-Fällen bis zum Golf von Mexiko vor, in der Werbung vollmundig als „größten Gemäldes der Welt“ bezeichnet. Die Premiere soll gut besucht gewesen sein7. Wenige Wochen später warb Harff mit einem weiteren Mississippi-Riesen-Cyclorama von James Tosh. Dieses wurde von John Rowson Smith (1810-1864)8 hergestellt.
Quelle: www.zeitpunkt.nrw
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Ferdinand Haecker zeigte in Franz Stollwercks Vaudeville-Theater sein Riesen-Cyclorama von Kriegsschauplätzen im Orient und an der Ostsee.
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Pleoramen in Köln
Das Pleorama (griech. Verbundwort aus πλέω=segeln, zur See fahren + τό ὅραμα hórāma für „Ansicht Spektakel“) kombinierte die am Betrachter vorbeiziehende Leinwand des Cyclorama mit der besonderen Position der Betrachtenden. Die namensgebende Innovation bezog sich auf die Ausführung des Zuschauerpodiums als überdachtes Boot oder Schiff, an dessen Fenster illusionsverstärkende Panoramen abgerollt wurden.
Quelle: www.zeitpunkt.nrw
Henri Dessort bewies 1860 daß man das Pleorama selbstverständlich auch mit einem Luftschiff realisieren kann. Er präsentierte in Köln seine Ballonschau über Amerika, gut geeignet zur Orientierung für potentielle Auswanderer. Was aus der ebenfalls dort präsentierten sechsstimmig blöckenden Ziege wurde, ist nicht bekannt, das trommelnde Kaninchen wurde, leicht abgewandelt, später noch einmal von einem Batteriehersteller engagiert.
Stereoskopen
1839 präsentierte Daguerre sein Verfahren zur Herstellung von Photographien vor der Akademie der Wissenschaften in Paris. Mitte des 19.Jahrhunderts entwickelte der Physiker David Brewster eine Stereokamera, die die kommerzielle Herstellung von stereographischen Photographien, auch Stereoskopen bzw. Stereogramme genannt, ermöglichte9. Stereokameras verfügen über zwei Objektive im Abstand von circa 62 mm und ermöglichen damit zwei zeitgleiche Aufnahmen einer Ansicht. Bei der Betrachtung dieser Aufnahmen mittels eines Stereoskops zwei Okulare im Abstand von ca. 62mm) erscheint das aufgenommene Bild dreidimensional. Wie bei den Laterna Magicas und den dazugehörigen Glasbildern handelte es sich auch bei den Stereoskopen und den Betrachtungsapparaten um optische Geräte, die einerseits im privaten Bereich belehrendes Spielzeug für Kinder und auch Erwachsene darstellten, in professionelleren Ausführungen auch von Schaustellern eingesetzt wurde.
Quelle: www.zeitpunkt.nrw
Der Schausteller C.Haueisen präsentierte im Rheinland eine Auswahl stereoskopischer Photographien unter dem Namen Charles Stereoskopen.
Quelle: www.zeitpunkt.nrw
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Der in der Werbung gezeigte Stereogramm-Apparat ist wohl auch dem von Fuhrmann patentierten Kaiserpanorama nachempfunden.
Stereoskopische Rundansichten
Einen weiteren Schritt stellte die Verbindung stereoskopischer Aufnahmen mit den schon bekannten Panoramen und Dioramen dar.
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Kosmoramen in Köln
Kosmoramen oder Welttableaux (griech. Verbundwort aus κόσμος kosmos = das All, Weltall, Stern- Planetenkonstellationen, Menschheit + τό ὅραμα hórāma für „Ansicht Spektakel“) präsentierten Bilder aus der ganzen Welt bzw. astronomische wissenschaftliche Darstellungen zuerst in Gemälden und Zeichnungen. Später wurden in Kosmoramen, wie in Panoramen Stereoskope gezeigt. Beliebte Motive waren biblische und historische Schauplätze, romantische Natur- und Himmelsdarstellungen, voyeuristisch-kolonialistische Darstellung fremder Länder und Kulturen, voyeuristisch-erotische Darstellung von Frauen.
Burbachs Kosmorama
Quelle: www.zeitpunkt.nrw
1858 eröffnete der Kölner Hof-Photograph J.J.Burbach sein Kosmorama „in der Pützgasse neben der Post“, Er präsentierte dort Landschafts-Ansichten aus den verschiedensten Regionen des Erdkreises, architektonische Sehenswürdigkeiten oder ethnographische Schilderungen, welche die Sitten, Gebräuche und Trachten der verschiedenen Nationen vergegenwärtigen. Neben dem plastischen Effekt der Stereoskopien wirbt Burbach mit einer, den lebendigen Eindruck verstärkende, in ihrer Intensität veränderbare Effekt-Hintergrundbeleuchtung mit Kalklicht10.
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Th. Meß stellt sein gerade aus Belgien zurückgekehrtes Kosmorama mit 2500 von den größten Meistern des Metiers verfertigte Glas-Stereoskopen aus allen 5 Welttheilen im Hôtel du Dôme aus.11
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Ein Kosmorama mit 1200 Bildern aus den typischen Themenbereichen: christlich-biblische Sujets (Palästina), Astronomie, Wissenschaft( Meerbilder, Mond und Wolkeneffekte) und Erotik (die bekannte Kurtisanen Cora Pearl und Theresa, Celebritäten der Pariser demi-monde)12 wurde 1867 in der Brückenstraße 2 gegenüber des Bemberg-Wendelstädtischen Hauses gezeigt13.
Fuhrmanns Erfindung des Kaiserpanoramas (ein großes sich drehbares Panorama ausgestattet mit Stereoskopen, die durch Stereoskope betrachtet werden konnten.) führte zur Eröffnung weiterer mit Panorama bezeichneter Säle, die meist kleiner dimensioniert waren.Panorama International
Das Panorama International befand sich auf der Breite Straße 117, im Grottensaal der Restauration „Zur neuen Welt“. Zuschauer saßen auf Stühlen, während sie die farbigen Stereoskopen betrachteten. 1899 verzog es in die Breite Straße 96, noch später in die Kreuzgasse 13 gegenüber dem Realgymnasium.
Quelle: www.zeitpunkt.nrw
Die Größe der Panoramen, Dioramen Kosmoramen etc. ist nicht immer erkennbar. Insbesondere Dioramen wurden später eher als Schaukästen mit Miniatur-Modellbauten, -Figuren, -Tieren und -Landschaften ausgeführt, Panoramen und Kosmoramen bestanden aus mit Stereoskopen bestückten geschlossenen Kästen mit an die Augen der Betrachtenden anpassbaren Stereo-Okularen.
Nachfolgetechniken
Weiteres folgt
Quellen:
1 Das Buch der Erfindungen, Gewerbe und Industrien II, 1877, https://nat.museum-digital.de/object/1328159
2 https://de.wikipedia.org/wiki/Panoramabild
3 https://fr.wikipedia.org/wiki/Jean-Charles_Langlois
4 Daguerre, Louis Jacques Mandé: Das Daguerreotyp und das Diorama. Stuttgart, 1839, S. [11]. In: Deutsches Textarchiv
https://www.deutschestextarchiv.de/daguerre_daguerrereotyp_1839/16, abgerufen am 01.10.2024
5 https://de.wikipedia.org/wiki/Georama
6 https://digital.wienbibliothek.at/search/quick?query=mayrhofer%2C+franz
7 Kölnische Zeitung v.3.Februar 1852
8 https://en.wikipedia.org/wiki/John_Rowson_Smith
9 https://de.wikipedia.org/wiki/Stereoskopie
10 Kölnische Zeitung v. 23.Mai 1858
11 Kölnische Zeitung v. 26.März 1869
12 https://de.wikipedia.org/wiki/Cora_Pearl
13 https://altes-koeln.de/wiki/Br%C3%BCckenstra%C3%9Fe/Haus-Nr._1