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Castans Panopticum

Ein Wachsfiguren-Kabinett wird zum Kinema

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Ursprünge

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Werbeannonce für eine Gastvorstellung von Castans Panopticum im Kaisersaal in: Kölner Sonntags-Anzeiger v. 5.Mai 1878
Quelle: www.zeitpunkt.nrw

Die erste (ständige) Präsentation eines Ablegers des in Berlin von Gustav Castan unter dem Namen Castans Panopticum gegründeten Wachsfigurenkabinetts eröffnete am 21.April (Ostersonntag) 1878 im Kaisersaal in der Comödienstr. 34/36. Der Kaisersaal, aus dem kurze Zeit später der Fränkische Hof entstehen sollte, bestand aus drei Sälen, zwei im Erdgeschoß und einem größeren auf der 1.Etage sowie einer Restauration (Gastwirtschaft). In wechselnden Zusammenstellungen wurden lebensgroße Wachsfiguren von einzelnen Personen der Geschichte (Kaiser, Papst etc.) sowie Gruppendarstellungen (Tableaux) berühmter oder berüchtigter Ereignisse, Sagen und Bibelszenen oder Schauergeschichten gezeigt. Bereits ein Jahr später verzog das Panopticum in den Köln-Mülheimer Pavillon (auch Kaiserpavillon genannt) in der Frohngasse an der Landungsbrücke am Zoologischen Garten und der Flora. Nach kurzem Intermezzo von Levens Zooplastischem Museum 1880 residierte das Panopticum nach Umbau 1881 dauerhaft in der Frohngasse. Zum Programm gehörten die üblichen Attraktionen, Spiegeltricks wie die Dame ohne Unterleib, Schlangentänzerinnen, artistische Truppen aller Länder, Schreckenskammer, Irrgarten etc. In den Folgejahren integrierte Castan, dem Zeitgeschmack entsprechend, zunehmend die ausbeuterische Darstellung von Menschen mit anatomischen Besonderheiten, sowie die rassistische Zurschaustellung von Indigenen u.a. aus damaligen Kolonialgebieten in sein Programm.

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Werbeannonce für Krao Farini, die wegen ihrer ungewöhnlich starken Körperbehaarung ausgebeutet und zur Schau gestellt wurde, in: Rheinischer Merkur v. 1.September 1887
Quelle: www.zeitpunkt.nrw

Erste Präsentation eines Kinematographen

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Werbeannonce für ein Scioptikon in Castans Panopticum: Kölner Local-Anzeiger v. 19.September 1896
Quelle: www.zeitpunkt.nrw

Noch 1896 warb man im Panopticum für überdimensionale Skioptikon-Bilder. Gleichzeitig erfolgt die Gründung einer Aktiengesellschaft Castans Panopticum und die Errichtung eines prächtigen Neubaus auf der Hohe Straße 11-13. Die Eröffnung an der neuen Adresse fand 1897 statt. Ende 1898 erkannte man auch im Panoptikum die Bedeutung des Kinematographen: Mittels Cinématographe Lumière präsentierte man Bilder aus dem Kölner Leben.

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Werbeannonce für den Cinématographe Lumière in Castans Panopticum: Rheinischer Merkur v. 3.September 1898
Quelle: www.zeitpunkt.nrw

1907 - Das Panopticum bekommt ein eigenes Kinematographen Theater

Am 16.Januar 1907 wurde das Bijou Vitascope-Theater als permanent integrierte Attraktion im eigens dafür umgebauten neueingerichteten Prunksaal des Panoptikum eröffnet. Möglicherweise spielte hier auch die Konkurrenz zu dem gerade eröffneten Kosmos Kine-Theater eine Rolle. Hinter dem Projekt stand die 1907 von Jules Greenbaum (Julius Grünbaum) in Berlin gegründete Deutsche Bioscope Gesellschaft, (bzw. Deutsche Vitascope) die auch die Projektionstechnik lieferte. Der im anglophonen Sprachraum beliebte Theatername Bijou (französisch für: Juwel, Schmuckkästchen) war der amerikanischen Ausrichtung des Unternehmens geschuldet und stellte hier in Köln erstmals den aufwendig gestalteten Zuschauerraum an vorderste Stelle.

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Werbeannonce für die Eröffnung des Bijou Vitascope Theater im Panopticum in: Kölner Local-Anzeiger v. 15.Januar 1907
Quelle: www.zeitpunkt.nrw

Tonbilder im Vitascope-theater

Bei den auch z.B im Ehrenfelder Volks-Kinematographen zu Ostern und Weihnachten eingeführten „Volkstagen“ mit Sonderprogramm und freiem Eintritt, zeigte das Vitascope-Theater im April 1907 kurzzeitig Tonbilder

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Werbeannonce für die letzte Sonntagsvorstellung von Tonbildern im Vitascope-Theater in: Kölner Local-Anzeiger v. 28.April 1907
Quelle: www.zeitpunkt.nrw

Mitte Oktober 1911 meldete der Kölner Local-Anzeiger, daß ein neuer Kinematograph (Projektionsapparat) im Vitascope-Theater aufgestellt wurde.

1912 - das Panopticum wird zum Lichtschauspielhaus

Die Eröffnung des Lichtschauspielhauses mit 550 Plätzen im Panopticum fand am Samstag, den 23. März 1912 um 17.00 Uhr durch den neuen Betreiber Willy Oehme aus Dresden statt. Die Zeitschrift Lichtbildbühne Nr.17, April 1912 legt die Eröffnung auf den 12.April 1912

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Das neueröffnete Lichtschauspielhaus stellt seine Alleinstellungsmerkmale vor. Annonce in: Kölner Local-Anzeiger v. 21.März 1912
Quelle: www.zeitpunkt.nrw

Noch im Jahr 1912 setzt das neueröffnete Lichtschauspielhaus auf Rezitator*innen. Ein drei- bis fünfköpfiges Ensemble ist regelmäßig tätig. Dazu gibt es noch eine Lichtschau sowie Caruso-Konzerte vom Auxetophon (Starkton-Grammophon) mit Künstlerbegleitung. Technisch perfekte Vorführung auf modernsten Maschinen, ein 30 Meter großes Bühnenbild usw.

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Das Lichtschauspielhaus hatte schon vor der Erfindung der Kinoorgel Geräuschemacher am Start. Annonce in: Kölner Local-Anzeiger v. 22.März 1912
Quelle: www.zeitpunkt.nrw

Der klassisch ausgebildete Rezitator Reinhold Meissner übernahm die Erklärung der ernsten bzw. wissenschaftlichen Bilder. Komödien und Humoresken wurden von Komiker-Duos illustriert. Der bekannte Karnevalist Toni Ebeler (1899-19??, die Humoristen Herr Anders, Elsa Neumann und Olga Bardi schlüpften in Frauen und Männerrollen, sprachen an Handlung und Mundbewegung angepasste Dialoge („Zwiegespräche“) und betätigten sich zur Freude des Publikums auch als Geräuschemacher.

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Das Rezitationsensemble sorgt für Heiterkeit. Annonce in:Kölner Local-Anzeiger v. 4.Dezember 1912
Quelle: www.zeitpunkt.nrw

Seit 1912 leitete Willy Oehme (Wohnadresse: Riehler Straße 53) das in den Folgejahren bis nur noch als Panoptikum(-Lichtspiele) bezeichnete Kino. In den Folgejahren zeigte das Lichtspielhaus regelmäßig Tonbilder und firmierte in der Werbung als „Sprechlichtspiele“

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Aus dem Lichtschauspielhaus werden die Sprechlichtspiele in: Kölner Local-Anzeiger v. 3.März 1914
Quelle: www.zeitpunkt.nrw

1920 - Filmpalast

Am 30.Oktober 1920 wurde das Panoptikum komplett renoviert als Vergnügungs-Etablissement Film-Palast neueröffnet. Das Kino war nun in zwei, von Kinomaler Bernhard Giffels dekorierte und vorzüglich temperierte Säle aufgeteilt. Der obere Saal wurde passend zu den Friedensverhandlungen (Vertrag von Trianon) nach dem Schloss Grand Trianon in Versailles benannt. Der untere Tivoli, ein verbreiteter Name für Vergnügungsparks, der auf die italienische Stadt Tivoli zurückgeht, die schon in der Antike einen solchen Park besaß.

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Das Lichtschauspielhaus hatte schon vor der Erfindung der Kinoorgel Geräuschemacher am Start. Annonce in: Rheinische Volkswacht v. 29.Oktober 1920
Quelle: www.zeitpunkt.nrw

1924 bot Willy Oehme aufgrund finanzieller Probleme die Räume Hohestr.11-13 zum Verkauf an. 1927 mußte er Konkurs anmelden.

Spätere Betreiber

Bis ca. Juli 1943 zeigte der Film-Palast regelmäßig Programm. Danach wurde das Kino wohl durch einen Bombeneinschlag beschädigt und stellte seinen Betrieb dauerhaft ein. Ab 1944 befand sich in den Räumen die Eisenwarenabteilung der Firma Sperrholz Kops.

Quellen:
Grevens Adressbuch für Köln und Umgebung