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Nebelbilder, Wandelbilder, Chromatropen

Formen beweglicher Glasbilder, Grundlagen ihrer Projektion

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Im Folgenden stellen wir die die drei wesentlichen Konstruktionstypen beweglicher Glasbilder vor.

Nebelbilder

Bei Nebelbildern, seltener: Wolken- und Luftbilder, auch bekannt unter ihrem englischen Namen Dissolving Views (Verschmelzende, sich ineinander auflösende Ansichten) oder kurz Dissolvings, handelt es sich um mindestens zwei kolorierte Glasbilder, später (kolorierte) Photographien auf Glas in Holz oder Metallrahmen, die ein identisches Motiv zu verschiedenen Zeiten z.B. bei Tag und einmal bei Nacht oder auch zu verschiedenen Jahreszeiten zeigen. Dargestellt wurden u.a. eine Winterlandschaft, die sich in eine Sommerlandschaft verwandelt, ein Segelschiff bei Sonnenlicht und im Mondschein. Auch die Architektur berühmter Bauwerke bei Tag, während man nachts nur die erleuchteten Fenster in der Dunkelheit sieht, Außen- und Innenansichten berühmter Bauwerke etc. Als Erfinder bzw. Wegbereiter der Nebelbilder gilt der Brite Henry Langdon Childe1.

Wandelbilder

Als Wandelbilder, auch Verwandlungsbilder bzw. bewegliche Bilder bezeichnete man Einschübe aus Holz, in die zwei oder mehrere gemalte runde oder rechteckige Glasbilder deckungsgleich übereinander eingesetzt wurden. Mittels eines Hebels oder einer Kurbel konnte eins der Glasbilder horizontal oder vertikal am anderen vorbeigeschoben werden. Auf diese Weise konnten biblische Motive wie Christi Auferstehung aus dem Grab und anschließende Himmelfahrt oder z.B. die Fahrt eines Schiffes auf den Wellen eines sturmgepeitschten Meeres dargestellt werden.

Chromatropen

Chromatropen, Chromatrops (griech. Verbundwort aus χρῶμα- Farb- und τροπή Verwandlung) nannte man zwei deckungsgleich übereinanderliegende, mit mehrfarbigen, geometrischen Mustern bemalte runde Glasplatten, eingefasst in einen Einsatz aus Holz oder Metall. Friktionsröllchen halten die Platten an ihrem Platz fest2. Mittels einer in den Einschub integrierten Kurbel wurde eine Mechanik in Gang gesetzt, die die beiden Platten in gegenläufige Rotation (kreisförmige Bewegung) versetzte. Üblich war dabei der Antrieb mittels Riemen. Durch das Drehen einer seitlich angebrachten Kurbel konnte ein Glasbild in die eine, das zweite mittels gekreuztem Riemen in die entgegengesetzte Richtung um einen gemeinsamen Mittelpunkt gedreht werden. Auf diese Weise wurde auf der Leinwand ein Feuerwerk farblich wechselnder leuchtender stern- und blumenförmiger Gebilde erzeugt. Die Nebel- bzw. Wandelbildvorführung wurde meist durch die Präsentation von Chromatropen abgeschlossen, bzw. war darin eingebettet.

Projektionstechnik

Für die Projektion dieser Bilder benutzte man die schon sehr viel früher erfundene Laterna Magica. Die lateinische Bezeichnung wurde im Deutschen meist mit „Zauberlaterne", auch "magische Laterne“ übersetzt. Eine Laterna Magica bestand im Wesentlichen aus einem optischen System, bestehend aus einem Doppelkondensor und einem Objektiv, zwischen die man die verschiedenen Einschübe platzierte, sowie einem Lampenhaus für die Lichtquelle. Die Laterna Magica war, wie die meisten optischen Instrumente, einerseits belehrendes und die Phantasie anregendes Kinderspielzeug, andererseits Verblüffung auslösendes Unterhaltungswerkzeug für private Gesellschaften.

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J.J. Dardenne zeigt seine Fantoxonien, Pantagonien, Phantasmagonien etc. auf dem Domhof in: L'observateur/Der Beobachter im Ruhrdepartement v. 26.September 1806
Quelle: www.zeitpunkt.nrw

In technisch ausgereifteren Versionen wurde sie schon im 18.Jahrhundert neben anderen optischen Attraktionen wie den Ombres Chinoises (Schattenspiele) in öffentlichen Vorführungen eingesetzt. In dieser Zeit gab es selten abgeschlossene Projektionskabinen. Die Operateure bedienten ihre Laterna Magica hinter einer Leinwand aus durchsichtigem Gewebe. Die darauf projezierten Wesen konnten die Zuschauer, meist Laien auf dem Gebiet der Optik, durchaus als Begegnung mit dem Übernatürlichen interpretieren. Zu diesem Zweck wurden die hellen Traumgestalten (weiße Frauen etc.) in mattschwarze Farbe, mit denen die Glasplatten einseitig überzogen waren, einradiert. Solche, beim Publikum kalte Schauer auslösenden Geisterbeschwörungen, hatten schon vor dem Aufkommen der Nebelbilder als sogenannte Phantasmagorien (griechisches Verbundwort aus φάντασμα Traumbild, Gespenst und αγορά “öffentliche Versammlung” bzw. ἀγορεύω “öffentlich sprechen”) ihren festen Platz in den mobilen Welt- und Zaubertheatern.

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Geistererscheinungen im französischen Theater in Köln in: L'observateur/Der Beobachter im Ruhrdepartement v. 28.März 1802
Quelle: www.zeitpunkt.nrw

Der Physiker, Luftschiffer und Zauberkünstler Etienne Gaspard Robertson war einer der Pioniere auf diesem Gebiet. Um 1800 führte er Techniken wie die kontinuierliche Änderung der Position der Laterna Magica von der Projektionsfläche, um die Geistererscheinungen bedrohlich nah heranrücken bzw. in der Ferne verschwinden zu lassen, sowie den Einsatz der Blende, um diese Entfernungswechsel durch Steuerung der Beleuchtung natürlicher zu gestalten. Diese Techniken wurden zu Grundlagen der Kinematographie. Den Glasbildern fehlte allerdings noch das Merkmal der Bewegung. Neben den optischen Apparaten ermöglichten auch die damals auf den Markt kommenden ersten Accumulatoren (Stromsammler=Stromspeicherelemente) und mit diesen betreibbare kompakte Elektromotore bzw. Generatoren (galvano-magneto-dynamo-electrische Maschinen) ganz neue Gestaltungsmöglichkeiten im Metier der Geisterbanner.

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Herr van Hoeftenberghe wirbt für seine Präsentation von Geistererscheinungen im Saal des Domhotels in: Kölnische Zeitung v. 20.September 1818
Quelle: www.zeitpunkt.nrw

Laterna Magicas, die aufgrund der Qualität ihrer optischen Systeme und ihrer Lichtquellen für eine professionelle Vorführung geeignet waren, kannte man auch unter dem Begriff Sciopticon (Verbundwort aus den griechischen Grundbegriffen σκιά = Schatten und -oπτíκóν = Apparat zur Erzeugung von optischen Erscheinungen). Diese Geräte waren mit achromatischen (griechisch ἀχρώματος, ohne Farbe) Linsenkombinationen ausgestattet. Erst durch die Verwendung von solchen Linsen war eine von der durch unterschiedliche Wellenlängen der Einzelfarben bedingter farblichen Abweichung freie und somit auch an den Rändern scharfe Abbildung möglich.

Nebelbildapparate, Agioscope

Für die Projektion von Nebelbildern wurden spezielle Nebelbildapparate konstruiert. Diese bestanden aus zwei nebeneinander oder auch übereinander kombinierten Sciopticons (Doppelsciopticon, englisch: Bi-unial Lantern). Drei kombinierte Geräte (Dreifach-Laternen, englisch: Triple Lantern) waren auch als Agioscope bekannt. Hierbei wurden fünf oder mehr Bilder ineinandergeblendet. Diese Vorführtechnik wurde häufig als Agioscopie bezeichnet. Die Herkunft de Wortes ist nicht ganz klar. Seltener wurde auch der Begriff Hagioskop verwendet, was auf ein Verbundwort aus den griechischen Grundbegriffen ἅγιο- = heilig und -σκοπεῖον = Betrachtungsgerät hinweist. Möglicherweise eine Anspielung auf die biblische Geschichten, die insbesondere mit der verbesserten Verschmelzungstechnik des Agioskops bei entsprechender Projektionsgröße beeindruckend visualisiert werden konnten. Der Wiener Erfinder und Daguerrotypist Carl Schuh3 tourte mit einer vermutlich von ihm selbst zusammengestellten Gerätekombination. Diese bestand aus einem auf Eisenschienen horizontal verschiebbaren Tisch, auf dem ein sieben Fuß (ca. 2 Meter) hohes Gestell befestigt war, in dem gleich vier einzeln bewegliche Scioptikons übereinander installiert waren. Die Eisenschiene ermöglichte zusätzliche Zoom-Effekte durch Annäherung und Entfernung von der Leinwand. Eines der vier Scioptikons diente ausschließlich der Projektion eines Rahmens für die Nebelbilder und war ebenfalls über eine Schiene justierbar.

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Wilhelm Bornholdt aus Elberfeld wirbt für seine Spielzeug Doppel-Laterna magica mit Verwandlungsbildern in: Beilage zur Kölnischen Zeitung v. 22.Dezember 1861
Quelle: www.zeitpunkt.nrw

Lichtquellen

Im professionellen Bereich benutzte man hauptsächlich Kalklicht für die Vorführung. Vor der Entdeckung des Kalklichts und im semi-professionellen Bereich (kleine Vereine, Familienfeiern) auch anderes Gaslicht wie z.B. Petroleumbrenner. Später kam dann das elektrische Kohlenbogenlicht bzw. Glühlampenlicht dazu. Die Lampenhäuser verfügten meist noch über einen rückwärtigen Hohlspiegel zur Verstärkung der Lichtquelle. Da die Nutzung von Gas- oder Bogenlicht üblich war, waren die Lampenhäuser ebenfalls mit einem Kamin ausgestattet.

Leinwände

Zur Erzeugung unheimlicher Effekte bevorzugte man die Durchsichtsprojektion, die eine annähernd durchscheinende Projektionsleinwand erforderte. Dies erreichte man durch Verwendung transparenter Baumwoll-Gewebe (Schirting, Mousseline). Zusätzlich wurde die Leinwand mittels einer Spritze oder eines Schwamms oder durch Eintauchen in Wasser konstant befeuchtet, um sie noch durchsichtiger zu machen. In beheizten Räumen mußte dieser Vorgang mehrfach wiederholt werden. Ab etwa den 1850er Jahren war es möglich, in Apotheken etc. Glycerin zu erwerben. Wenn man dieses dem Wasser beimischte, konnte die Austrocknung verzögert werden. Die mobile Leinwand war meist seitlich mit Löchern versehen. Mittels Schnüren wurde sie in einen Leinwandrahmen gespannt.

Überblendungstechniken

Zur Erzeugung von ineinander verschmelzenden Bildern mußten die Scioptikons mit einer Überblendeinrichtung (Dissolver) versehen werden. Die einfachste und entsprechend wenig elegante Überblendmethode stellten Objektive mit Abdeckklappe dar. Mittels Hebel schließbare Katzenaugenblenden waren da schon besser.

Foto einer Katzenaugenblende
Katzenaugenblende mit Betätigungshebel an einem Lampenhaus

Die Katzenaugenblende konnte sich auch am Lampenhaus befinden. Bei den Nebelbildapparaten waren meistens kleinere Katzenaugenblenden vor dem Objektiv angebracht. Die Funktion der Katzenaugen war Folgende: Mittels eines Handgriffs konnten zwei halbrunde Teilblenden so aufeinander zu- bzw. von einander weggeschoben werden (Ab- bzw. Aufblenden), sodaß eine Öffnung in der Form einer Katzenaugenpupille entstand. Eine verbreitete Methode war darüber hinaus die Dimmung der Lichtquelle (z.B. durch Drosselung der Gaszufuhr) des ersten Sciopticons während des Überblendvorgangs. Bei den professionellsten Geräten waren die Überblendeinrichtungen zweier Einzelprojektoren gekoppelt. Dies ermöglichte das fließende Abblenden des ersten und Aufblenden des zweiten Glasbildes. Zwischen zwei gekoppelten Scioptikons konnte auch ein drittes Gerät integriert sein, bei dem man ein mit vielen Stecknadelstichen punktiertes Papierband von unten nach oben durch das Bildfenster zog. Auf diese Weise konnte man einen Schneefall suggerieren4.

Foto Objektiv
Objektiv der Firma Ernemann mit Scharfstellung und schließbarer Abdeckung
Foto Filterschacht
und Schlitz (links) für Farbfilter

Zubehör

Ein Nebelbild-Projektionist mußte neben den Projektionsgeräten einiges mitführen. Ein oder mehrere faltbare Stativ(e) für das/die Nebelbildapparate, eine Anzahl beschrifteter Nebelbilder, Wandelbilder und Chromatropen in Holzkästen, sowie eine portable Leinwand mit zerlegbarem Holzrahmen. Dazu kam das Equipment zur Erzeugung des Kalklichts.

Zeitraum

Erste Projektionen von Nebel- und Wandelbildern nach englischem Vorbild fanden in Deutschland wohl Anfang der 1840er Jahre statt. Für Köln sind Vorstellungen aus dem Jahr 1844 belegt. Nebel- und Wandelbilder waren wie die Phantasmagorien beeinflußt durch die Literatur der Romantik und der Schauergeschichten des Gothic Horror.

Projektionisten

Die meisten Nebelbildprojektionisten rekrutierten sich aus dem Milieu der Zauberkünstler, Gaukler(Escamoteurs), Taschenspieler und Trickkünstler nach dem Übervorbild Cagliostro, sowie populären Vorgängern wie Guiseppe Pinetti und Jacob Philadelphia5. Sie traten also einerseits als Professoren der Experimentalphysik, andererseits auch als Geistercitierer auf, betrieben die unter dem Begriff physique amusante zusammengefaßte, unterhaltsame und niederschwellige Vermittlung naturwissenschaftlicher Erkenntnisse aus dem Bereich Galvanismus, Magnetismus, Optik etc. durch verblüffende Experimente. Natürlich haftete ihnen, wie ihren Vorgängern der Ruf der Charlatanerie (Hochstaplerei) an. Auch Pioniere der Daguerreotypie und Künstler, insbesondere Maler, die z.B. Glasbilder selber herstellen konnten, begeisterten sich für die neue Projektiontechnologie.

Namentlich bekannte durchreisende Projektionskünstler

Leopold Ludwig Döbler

Leopold Ludwig Döbler (1801-1864) war ein besonders in Österreich bekannter populärer Taschenspieler und Zauberprofessor6. Im Jahr 1844 präsentierte er ausgewählte Nebelbilder in Friedrich Spielbergers 1840 eröffnetem „königlich-concessionirten“ Theater in Köln.

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Werbeannonce für Döbler in: Kölnische Zeitung v. 21.November 1844
Quelle: www.zeitpunkt.nrw

In Annoncen und Berichten zu Döblers wurde Childs bzw. Bucks bahnbrechende Präsentation von Dissolving Views an der 1838 in London gegründeten königlichen Polytechnik (Royal Polytechnic Institution, heute University of Westminster) erwähnt. 1848 wurde ein Theater in das Polytechnische Institut integriert in dem regelmäßig Nebelbildvorstellungen stattfanden7. Daneben wird auf die kongeniale stimmungsverstärkende Wirkung der musikalischen Begleitung von Döblers Bildern durch Kompositionen im Stil der Wiener Klassik von Anton Ferdinand Titz (1742-1810)8 hingewiesen.

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Werbeannonce für ein Gastspiel des Zauber-Theaters Ferdinand Beckers aus Berlin im Hôtel du Dôme in: Kölnische Zeitung v. 19.November 1847
Quelle: www.zeitpunkt.nrw

Drei Jahre später gastierte ein Nachfolger Döblers namens Peil im „königlich-concessionirten“ Theater.

Julius Gottheil

1852 stellte Julius Gottheil(1810-1868)9 im Senf'schen Saal seine wissenschaftlich-belehrende Sammlung von Nebelbildern vor. Der Restaurateur L.Senf betrieb auf der Ehrenstraße vier Säle, zwei Speise- und zwei Tanzsäle. Wie damals üblich hatte die Restauration einen charakteristischen Beinamen (auf dem neuen Kuhberg, in Abgrenzung vom alten Kuhberg). Gottheil wies auch auf seine Sondervorstellungen für Schulklassen an.

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Werbeannonce von Julius Gottheil in: Kölnische Zeitung v. 7.März 1852
Quelle: www.zeitpunkt.nrw

Cornelius Lamb

Der Magier Cornelius Lamb trat mit seinem Riesen-Agioscop, das er vorher in der königlich-ägyptischen Halle in Piccadilly, London präsentiert hatte, im Kölner Thalia-Theater auf. Die Egyptian Hall war ein legendärer Veranstaltungsort, 1812 war sie als Museum gegründet worden, 1903 wurde sie abgerissen10. Bei den Riesen-Agioskopen handelte es sich um die schon beschriebenen drei oder mehr vertikal arrangierten Scioptikons.

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Annonce für Lambs Auftritt in Köln in: Kölnische Zeitung v.16.November 1867
Quelle: www.zeitpunkt.nrw

Projektionsorte

Es gab unzählige Restaurationen mit einem bzw. meist mehreren Sälen in Köln. Daneben gab es viele ständige und temporäre Theater, die die Nebel- und Wandelbilder in ihr Progamm aufnahmen. In dem ab 1839 von Albert Harff geführten Hôtel du Dôme fanden auch regelmäßig Nebelbildvorführungen statt11.

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Ein möglicherweise im Hôtel du Dôme betriebenes Agioscop wird zum Verkauf angeboten. Kölnische Zeitung v. 5.November 1865
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Werbeannonce für das Niederländische Theater von Ellemberg und Marchand am St.Martinsplatz neben dem Gürzenich in der Kölnischen Zeitung vom 11.Dezember 1850
Quelle: www.zeitpunkt.nrw

Das Thalia-Theater war 1863 aus Franz Stollwercks Vaudeville-Theater auf der Schildergasse 47 hervorgegangen. Schon Stollwerck hatte Wandelbilder und Chromatropen gezeigt. Bei der Eröffnung wurde das Stück Cagliostro der Geisterbanner eines zeitgenössischen Autors gezeigt.

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Herr Cuni zeigt seine Nebel- und Wandelbilder im Thalia Theater. Werbe-Annonce in: Kölnische Zeitung vom 5.Mai 1877
Quelle: www.zeitpunkt.nrw

Teilstationäre überregional bekannte Nebelbild-Projektionisten in Köln

Ernst Basch

Ernst Basch (1838-1908) gastierte in Köln mit seinem Cagliostro-Theater12.

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Ernst Basch benutzt in seiner Werbeannonce den Begriff Hagioscope Allgemeiner Anzeiger für Rheinland-Westphalen v. 9.November 1881
Quelle: www.zeitpunkt.nrw
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Annonce für Baschs Cagliostro-Theater in: Kölner Sonntags-Anzeiger v. 13.November 1881
Quelle: www.zeitpunkt.nrw

Bruno Schenk

Der in Oberhausen im Ruhrgebiet geborene Illusionist und Geisterbeschwörer Bruno Schenk (1857-1932)13 kaufte Ernst Basch dessen Cagliostro-Theater ab und bespielte ab 1883 u. a. dessen Spielstätte am Waidmarkt. Er präsentierte die vermutlich auch noch von Baschs stammenden Welttableaux (Malerische Reise durch die herrlichsten Weltgegenden) in Form von überlebensgroßen Nebelbildern (Pracht Monstre Dissolving Views).

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Werbeannonce mit Portrait von Bruno Schenk in: Kölnische Zeitung v. 7.März 1883
Quelle: www.zeitpunkt.nrw
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Eine für Geisterbeschwörer wie Schenk typische Annoncen mit okkultistisch angehauchter Grafik in: Kölnische Nachrichten v. 16.März 1883

1901 gastierte Bruno Schenk mit seinem Eden-Theater am Appellhofplatz. Die von ihm geschaltete Werbeannonce scheint den von Goethe geprägten Begriff des Veloziferischen kongenial zu illustrieren. Der Teufel sitzt bei ihm auf der ungebremst ins 20.Jahrhundert rasenden Dampflokomotive. Das Agioskop als Projektionsgerät des Bewegtbildes des 19. Jahrhunderts ist verschwunden. Beschränkt auf seinen elektrischen Antrieb als Elektromotor bezeichnet, erscheint in der Anzeige Alfred Duskes Vitograph, einer der ersten Filmprojektoren.

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Schenk wirbt für das Programm seines Continental-Eden-Theaters in: Kölner Local-Anzeiger v. 2.April 1901
Quelle: www.zeitpunkt.nrw

Wandelbilder als Begleiter populärer Musikstücke.

Phantasmagorien und später auch Nebelbilder wurden zur visuellen Verstärkung von Traum-und Gruselszenen in populären Musikdarbietungen wie z.B. dem Freischütz eingesetzt.

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Annonce für agioskopische Begleitbilder bei Dickopf im Gertrudenhof Kölnische Zeitung v. 30. Januar 1863
Quelle: www.zeitpunkt.nrw

Der Gastwirt Johann Dickopf führte in den 1850er Jahren sein legendäres Vergnügungslokal mit Theaterbetrieb im Gertrudenhof, historische Adresse „alte Mauer Nro 4 an Aposteln am Neumarkt“ (später: Gertrudenstraße). Im Volksmund war die Lokalität auch unter dem Beinamen „Geistensterz“ (Geißenschwanz) bekannt. Der Ursprung dieses Namens ist nicht bekannt, angeblich geht er auf einen damals sehr beliebten Pastor Johann Joseph Geißmann von der, sich in unmittelbarer Nachbarschaft befindlichem St.Aposteln-Kirche zurück. Im September und Oktober des Jahres 1858 löste der Donatische-Komet einen weltweiten Hype aus. Der am 2.Juni am Abendhimmel von Giambattista Donati entdeckte Komet kam der Erde in diesen Monaten so nahe, daß er mit unbewaffneten Auge zu betrachten war14. Dickopf gab seinem zu dieser Zeit eröffneten neuen Concertsaal den Namenszusatz Im Großen Kometen. Dort fand Anfang des Jahres 1863 eine Benefiz-Vorstellung der Kometen-Kapelle unter Konzertmeister Johann Peters. Bestandteil der Vorführung waren agioskopische Begleitbilder zu den musikalischen Traumbildern des populären dänischen Komponisten Hans Christian Lumbye15. Möglicherweise wurden diese von einem Kölner Operateur vorgeführt:

Ein Nebelbild-Projektionist aus Köln

Melchior Kempen (1832-1904) war Maler und Gemälderestaurateur in Köln. 1857 hatte er Ottilie Greiner geheiratet. Das Paar hatte acht Kinder, zwei verstarben früh. In den 1860er Jahren tauchte Kempen vermehrt als Präsentator von Nebelbildern und Glas-Stereoskopen auf. Wie der Maler Kempen zur Agioskopie und Stereoskopie kam ist unbekannt. Vielleicht interessierte er sich für die neue Technik, möglicherweise stellte er auch Wandgemälde oder Innendekorationen für die Theater, Schaubuden oder die extravaganten Fest- und Speisesäle dieser Zeit her und kam auf diese Weise in Kontakt mit der Nebelbildprojektion.

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Melchior Kempen wirbt für seine agioskopische Begleitung von Lumbyes Traumbildern. Rhein- und Ruhrzeitung v. 24. März 1867
Quelle: www.zeitpunkt.nrw
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Melchior Kempen wirbt für sein agioskopisches Progamm in der Tonhalle in Ruhrort. Rhein- und Ruhrzeitung v. 28. März 1867
Quelle: www.zeitpunkt.nrw

Kempen tourte mit einem Agioskop durch Köln und das Ruhrgebiet. Dort präsentierte er auch seine agioskopischen Illustrationen der Traumbilder. Ob er seine Kinder für die Projektion begeistern konnte ist nicht bekannt. Ein Sohn von ihm erlangte Bekanntheit als Maler.

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Melchior Kempen wirbt für seine Präsentation eines stereoskopischen Apparates der Firma „Ferrier père et fils & Soulier“ in: Kölnische Zeitung v. 28. April 1868
Quelle: www.zeitpunkt.nrw

1868 stellte Kempen ein portables Stereoskop der französischen Pioniere der Stereophotographie Claude-Marie Ferrier und Charles Soulier vor Claude-Marie Ferrier hatte einen Apparat zur Projektion von Stereoskopen konstruiert. Mit seinem Sohn Jacques-Alexandre Ferrier und dem Stereoskop-Photographen Charles Soulier hatte er 1859 ein Atelier zum Vertrieb von Glas-Stereoskopen gegründet16.

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Melchior Kempen wirbt für seine ca. 5 Meter hohen agioskopischen Ansichten aus Palästina im Hôtel du Dôme in Köln. Kölner Sonntags-Anzeiger v.20. April 1879
Quelle: www.zeitpunkt.nrw

In den 1870er Jahren wurden Nebelbilder für eine frühe Form der Werbung eingesetzt. In einem leeren Stockwerk über einem Geschäftsraum wurde ein großer Nebelbildapparat aufgestellt und wechselnde Glasbilder mit Geschäftswerbung hintereinander abgespielt. Die Bilder wurden entweder auf eine durchscheinende vor den Fenstern aufgehängten Leinwand oder durch die Fenster auf den Gehweg geworfen.

Nachfolger

Insbesondere die Groß-Diapositive die im Kinobetrieb mit Einzel- bzw. Ansatzdiaprojektoren vor dem Hauptprogramm abgespielt wurden, stehen in der direkten Nachfolge der Werbe-Nebelbilder, die Überblendungstechniken, mit denen ein möglichst übergangsfreier Wechsel zwischen zwei Kinodias erreicht werden sollte, ähneln denen der Nebelbildprojektion.

Ebenfalls in dieser Nachfolge kann man die Überblendung als filmisches Stilmittel und im weiteren Sinn die Überblendung zwischen zwei Akten im klassischen Kinobetrieb sehen.

Quellen:
1 https://en.wikipedia.org/wiki/Henry_Langdon_Childe
2 Das Buch der Erfindungen, Gewerbe und Industrien II, 1877, https://nat.museum-digital.de/object/1328159
3 https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Carl_Schuh, Bericht Bonner Wochenblatt 4.Februar 1848
4 Das Buch der Erfindungen, Gewerbe und Industrien II, 1877
5 https://de.wikipedia.org/wiki/Alessandro_Cagliostro, https://en.wikipedia.org/wiki/Joseph_Pinetti https://de.wikipedia.org/wiki/Jacob_Philadelphia
6 https://www.zobodat.at/pdf/Jb-Landeskde-Niederoesterreich_35_0106-0123.pdf
7 https://en.wikipedia.org/wiki/University_of_Westminster
8 https://de.wikipedia.org/wiki/Anton_Ferdinand_Titz
9 https://de.wikipedia.org/wiki/Julius_Gottheil
10 http://geniimagazine.com/wiki/index.php/Egyptian_Hall
11 https://de.wikipedia.org/wiki/Dom-Hotel
12 https://www.zauber-pedia.de/index.php?title=Ernst_Basch
13 https://zauber-pedia.de/index.php?title=Bruno_Schenk
14 https://de.wikipedia.org/wiki/C/1858_L1_(Donati) https://koelschgaenger.net/ein-koelner-original/
15 https://de.wikipedia.org/wiki/Hans_Christian_Lumbye
16 https://de.wikipedia.org/wiki/Claude-Marie_Ferrier, https://de.wikipedia.org/wiki/Charles_Soulier