Lobby-Verbände der Kinematographenbesitzer
Der Kampf gegen Zensur und Steuern
ZurückIm ersten Jahrzehnt des 20.Jahrhunderts hatte sich die Anzahl stationärer Kinematographen sowohl in der Innenstadt von Köln als auch in den Vorstädten kontinuierlich erhöht. Die Kinematographen schafften Arbeitsplätze und brachten der Stadt Steuern ein. Auch wenn die Vorstellungen in überfüllten, nicht zum Zweck einer Kinematographenvorstellung ausgestatteten Räumen mit schlechter Belüftung stattfanden (Rauchen erlaubt!), waren sie gut besucht.
Auch um neue Besuchergruppen zu erschließen, hatte sich das Programm grundlegend gewandelt. Waren die ersten Vorstellungen dokumentarische Szenen aus Leben und Alltag, Aktualitäten und Kultur- und Lehrfilme oder harmlose Sketche, dominierten ab 1908 die Kunst- und Sensationsfilme.
Während Monumental-Aufnahmen von Papst Leo im Fränkischen Hof 1900 im katholischen Köln gut angekommen waren, bildeten sich nun die, hauptsächlich aus konservativen, der Zentrumspartei nahestehenden Juristen, katholischen Lehrer*innen und Klerikern bestehenden Vereine, die alle kommerziell agierenden Kinematographen als Stätten der Verbreitung von Schmutz und Schund ansahen. Sie forderten weitreichende Verbote und Kontrollen und förderten zu diesem Zweck auch das Denunziantentum.
Infolge auch der Agitation der Vereine verschärfte sich die Zensur:
Quelle: www.zeitpunkt.nrw
Die Stadt erhöhte die Lustbarkeitssteuer.
Im April 1912 beschließt die Stadtverordnetenversammlung einstimmig die Verdoppelung der Lustbarkeitssteuer. Ausnahmen gelten für belehrende und künstlerische Films.
Immer restriktivere Jugendverbote wurden ausgesprochen:
Der Stadtkreis Köln erließ Anfang 1911 eine neue Polizeiverordnung, die Kindern unter 14 Jahren die Teilnahme an öffentlichen Vorführungen in Kinematographentheatern nach 9 Uhr abends, auch in Begleitung Erwachsener verbot1. Oktober 1912 wurde Kindern unter sechs Jahren der Besuch der Kino-Theater komplett verboten, Kinder von sechs bis sechzehn Jahren dürften nur an besonderen Jugendvorstellungen teilnehmen.
Zusätzlich wird ein rigides Reklameverbot ausgesprochen.
Alfred Leopold, Dramaturg der Dekage sprach in der Zeitschrift Kinematograph Nr.307, November 1912, anläßlich der Eröffnung des Modernen Theaters vom „Kriegsschauplatz in Köln“. Im selben Monat schrieb er in der Lichtbild-Bühne vom „schweren Existenzkampf der Lichtbild-Theater Cölns“.
Begriffe wie Kinoerdrosselungssteuer machten die Runde.
Die Lichtspieltheaterbesitzer beschlossen daraufhin provinzielle bzw. lokale Interessenverbände zu gründen, um ihre Rechte zu wahren.
Verein (Verband) der Lichtspieltheaterbesitzer in Rheinland und Westfalen e.V.
Gründung
Ende 1912
Vorgängerorganisation
Verband Rheinisch-Westfälischer Lichtspieltheaterbesitzer e.V., zu Düsseldorf2. mit seinem Mitgliederbestand und seinem Vermögen. Auch der Lokalverband der Kinematographeninteressenten von Köln und Umgegend trat dem neuen Großverband bei, nachdem ihm Sitze im Vorstand und die Verlegung der Geschäftsstelle nach Köln zugesagt worden waren3.
Vorstand
Gründungsvorstand: 1.Vorsitzender Wilhelm Graf, Stellvertreter, 2.Vorsitzender Paul Prior4
Vereinszweck
Lobbyarbeit gegen die, u.a. auf Betreiben verschiedener meist aus dem katholischen Milieu stammenden kinofeindlichen Vereine eingeführte Zensur, weiteren Steuererhöhungen, den Jugend-, Reklame- und Matineeverbote (= Verbot der Sonntagvormittagsvorstellung hier 11-15.00 Uhr).
Weiteres folgt in Kürze
Nach dem Ende des Kaiserreichs wurde die Zensur zuerst aufgehoben, dann nach und nach wieder eingeführt. Ein neuer Verein wird gegründet.
Quelle: www.zeitpunkt.nrw
Kölner Verein zur Wahrung der Interessen der Kinematographie e.V.
Gründung
Januar 1920
Hauptverein
Verband zur Wahrung gemeinsamer Interessen der Kinematographie und verwandter Branchen zu Berlin gegründet im April 19??
Mitglieder
Die chemische Großindustrie, Filmverleiher, Kinematographenbesitzer, der Verein ist Mitglied im Verband Kölner Großbetriebe.
Vorstand
Als 1.Vorsitzender wurde Heinrich Stüttgen zu der Zeit Pächter des Kosmos-Kinetheater, als 2.Vorsitzender Willy Hünnes, der die Apollo-Lichtspiele wiedereröffnet hatte und als Schriftführer Herr Meißner (Reinhold Meißner??) gewählt5.
Vereinszweck
Der Verein vertritt ausschließlich wirtschaftliche Interessen.
1922 - Erhöhung der Lustbarkeitssteuer
Quelle: www.zeitpunkt.nrw
Quelle: www.zeitpunkt.nrw
Vorgänger
Berliner Verein zur Wahrung der Kinematographie (April 1914)
Provinzial-Verband Rheinland-Westfalen zur Wahrung der Interessen der Kinematographie, 3.Juli 1914, Düsseldorf 6.
Quelle: www.zeitpunkt.nrw
1928 Verband Kölner Lichtspieltheater
Gründung
1928
Vereinszweck
Milderung der finanziellen Folgen der Tonfilmkrise für Lichtspieltheaterbesitzer*innen in Köln
Quellen:
1 Kölnische Zeitung v. 24.Februar 1911
2 Kinematograph, September 1909
3 Kölner Lokal-Anzeiger v. 8.Februar 1913
4 Rheinischer Merkur v. 20.Februar 1913
5 Rheinische Volkswacht v. 23.Januar 1920
6 Rheinische Volksstimme v. 19.Januar 1916