Willy Krakau
Kölner Kameramann, Industriefilm-Produzent
ZurückWilly Krakau war ein Kölner Kameramann. Er wurde 1905 oder 1906 geboren. Wo und bei wem er seine kameratechnische Ausbildung erhielt ist uns bisher nicht bekannt.
Im Team von Edmund Epkens
1927 lernte Krakau nach eigenen Angaben Edmund Epkens kennen. In den Folgejahren wird er Epkens Mitarbeiter und bleibt es bis kurz vor dem 2. Weltkrieg (ca. 1938). Gemeinsam mit Edmund Epkens bzw. unter dessen Leitung dokumentierte er zusammen mit weiteren Kameraleuten Orte und Geschehnisse in Köln und Umgebung. 1936 gehörte Krakau zum Kamera-Team von Edmund Epkens bei Leni Riefenstahls Olympiafilm.
Zusammenarbeit mit Friedrich und Ludwig Epkens
Circa 1938 endete die Zusammenarbeit zwischen Krakau und Edmund Epkens. Krakau ist nun für die Firma von Edmund Epkens Brüdern Friedrich und Ludwig Epkens, Gesellschaft für Film und Filmbedarf als Kameramann tätig. Zu diesem Zeitpunkt ist das Verhältnis zwischen Ludwig und Edmund Epkens bereits zerrüttet. Im Oktober 1939 wird Krakau zur Polizei eingezogen. Im Jahr 1941/42 wird er beurlaubt, um an Propagandafilmen im Auftrag der Luftwaffe mitzuwirken.1 Im selben Jahr übernimmt er die Kameraführung für den, anläßlich der Brücken-Einweihung von der Firma Epkens produzierten, 35-Minuten-Film Die Reichsautobahnbrücke über den Rhein bei Rodenkirchen2. In dieser Zeit war Krakau auch für die Firma Schall- und Filmwerbung Köln (Tormin & Co.) tätig3. Dort lernte er wohl auch seinen späteren Mitarbeiter Hermann Kahlo kennen.
Tätigkeit nach dem 2.Weltkrieg
Im Jahr 1947 wird die Firma Friedrich und Ludwig Epkens mit der Herstellung eines Dokumentarfilms über die Beseitigung kriegsbedingter Schäden am Kölner Dom beauftragt. Für diesen Film („Der Dom zu Köln in Vergangenheit und Gegenwart. - Ein Filmdokument von der Wiederherstellung des Kölner Doms“) engagieren die Brüder Epkens Willy Krakau nach seinen Angaben als Aufnahmeleiter. In einigen Archiveinträgen zu diesem Dokumentarfilm wird Krakau, vermutlich aufgrund einer Fehllesung, unter dem Namen Willy Krakauer gelistet5. Nach Fertigstellung des Films 1948 hat Krakau nach eigener Aussage keine weiteren Aufträge von der Firma Friedrich und Ludwig Epkens bekommen4. Tatsächlich enthält auch die, ebenfalls von Friedrich und Ludwig Epkens 1948 produzierte Dokumentation „Köln nach dem Kriege“ Aufnahmen von Willy Krakau.
Industrie-Film Willy Krakau
Um 1948 gründete Krakau seine eigene Firma Industrie-Film Willy Krakau. Firmensitz war die Alteburger Straße 105 in der Kölner Südstadt. Die Firma war spezialisiert auf Werksfilme für die Stahl- und Bergbau-Industrie des Ruhrgebiets.
Eine der ersten Produktionen der Firma (der Firmenname wird im Vorspann nicht genannt) ist eine Dokumentation über den Wiederaufbau der Deutzer Brücke mit dem Titel „Rheinbrücke Köln-Deutz, Räumung und Neubau 1945 -1948“ die Krakau im Auftrag der Gutehoffnungshütte (GHH) Sterkrade AG herstellte.
Die Dose enthält eine 35mm-Positiv-Kopie der Lichtton-Kurzfassung dieses Films (Länge: 407,2 m, Laufzeit: knapp 15 min, Mono-Lichtton). Das ursprüngliche Nitro-Material (Eastman Kodak) einer 35mm Kopie von 1948 wurde auf Agfa Sicherheitsfilm umkopiert. Die Kopie hat neben den Klebestellen an Vor- und Nachspann nur einige weitere bei einigen Szenenwechseln. Viele weitere Szenenwechsel sind auch durch Laborkerben (kurze Verschmälerungen des Filmbandes) erkennbar. Vermutlich ist diese Sicherheitsfilmkopie nie durch einen Projektor gelaufen. Eine 16mm-Kopie mit nur 9,5 min Laufzeit befindet sich im LVR-Industriemuseum Oberhausen.
Werksfilme dieser Art wurden meistens auf 16mm Material gedreht. Sie wurden oft mehrmals umgeschnitten und als Dokumentationsmaterial in weiteren Filmen oder für Jubiläumszusammenstellungen genutzt. Zu diesem Zweck wurden auch 35mm-Fassungen hergestellt. Diese und weitere Fassungen des Rheinbrücke-Films sind in dem Buch Industriefilm 1948 - 1959, Filme aus Wirtschaftsarchiven im Ruhrgebiet aufgelistet. Darin wird auch erwähnt, daß die Firma INDUSTRIEFILM - WILLY KRAKAU hauptsächlich Filme für den GHH (Gutehoffnungshütte) Konzern produziert hat.
Die Beziehung zu der GHH Sterkrade kam möglicherweise über Krakaus Anstellung bei der Firma Tormin & Co zustande. Diese hatte im Jahr 1949 den Werksfilm „Querschnitt durch die Erzeugung der GHH-Sterkrade“ mit einem Kameramann namens Julius Kühn produziert.6
Der Werksfilm dokumentiert die Räumung und den Wiederaufbau der im 2. Weltkrieg zerstörten Deutzer Brücke durch die GHH, die Weihung der Brücke durch Kardinal Clemente Micara.
Von diesem Film soll auch eine (stumme) Langfassung existiert haben.
Zwei weitere Filmdosen mit Filmresten für eine Kurz- und Langfassung eines „Werkfilms“
Die Rechte für diesen Film liegen bei thyssenkrupp Corporate Archives, Duisburg, mit deren freundlicher Genehmigung wir die Ausschnitte hier veröffentlichen.
Bei seiner ersten Gründung im Jahr 1925 hieß der Club noch K.D.K. (Klub Deutscher Kameraleute).8 Krakau trat dem Berufsverband relativ früh bei. Mindestens für Januar 1952 ist er in der Verbandszeitschrift „Der Deutsche Kameramann“ im Mitgliederverzeichnis unter der Rubrik Kulturfilm, II. Kameramänner und Schwenker, mit der oben genannten Firmen-Adresse gelistet. Die Bezeichnungen Kameraleute und Kameramänner wurde in der genannten Fachzeitschrift relativ flexibel verwendet. Das uns vorliegenden Heft vom Februar 1961 ist zwar als „Organ des Clubs Deutscher Kameramänner e.V.“ betitelt, stellt jedoch immerhin auf S.35 die Kamerafrau Gerda Sophie Perlia vor.
Für den Film Rheinbrücke ist die Firma Industrie-Film Krakau als Produzent belegt. Der Firmenname taucht jedoch weder in Vor- noch Nachspann auf. Anders bei dem 1952 für die Hüttenwerk Oberhausen A.G. gedrehten Werksfilm „Seile aus Stahl“. Hier deutet der aufwendige Vorspann auf den Versuch hin, eine eigene Handschrift zu entwickeln. Dies wird bekräftigt durch Krakaus selbstbewußten Auftritt als Mitglied des C.D.K. Die in Zierschrift ausgeführten Titel des Vorspanns sind über die show-mäßig glänzenden, auf einer riesigen Kabeltrommel aufgerollten Stahlseile gelegt, ähnlich den textil oder gewebeartig anmutenden Titelsequenzen für Spiel- und Kulturfilme der 50er Jahre.
Für die Musik zeichnet Rolf Spangenberg verantwortlich, mit dem Krakau bei mehreren Werksfilmen zusammengearbeitet hat.
Spangenberg zeichnete auch für die Musik in einer weiteren Industrie-Film Krakau-Produktion über den Bau der Mülheimer Brücke
Schwingender Stahl-Rauschender Strom verantwortlich.
Inwieweit war es möglich, eigene künstlerische Vorstellungen im Bereich des Industriefilms zu verwirklichen? In dem, ebenfalls von der GHH Sterkrade A.G. in Auftrag gegebenen Film Werk und Erzeugung wird die Notenfolge G-H-H als musikalisches Thema eingesetzt9.
In der 1960/61er Ausgabe des Großen Film- und Kino-Adressbuchs ist die Firma Industrie-Film mit Willy Krakau als Inhaber unter der Rubrik VIII Industrie-, Wirtschafts- und Werbefilmproduktion noch gelistet. Als Spezialgebiet werden „Bergwerksaufnahmen mit Spezialkamera und schlagwettergeschützten Filmleuchten für Untertage-Betriebe“ angeführt10. Bis Anfang der 1970er Jahre scheint Krakaus Firma noch existiert zu haben.
Übernahme von Edmund Epkens Filmarchiv
Nachdem sich Edmund Epkens in den 1950er Jahren vom der Filmproduktion- auf den Kinobetrieb verlegte, verkaufte er eine große Menge seines Archivmaterials
an Krakau.11
Die Herkunft der Filme aus unserer Sammlung konnten wir bisher nicht eindeutig bestimmen. Anhand des von uns mittlerweile erforschten Materials sowie der Aufschriften auf den Filmdosen vermuten wir, daß ein verstorbener Sammler dieses Konvolut bei der Auflösung des Kopierwerks von Ludwig Epkens sicherstellen konnte. Neben Auftragsmaterial ohne Kölnbezug enthält es hauptsächlich Archivmaterial über Köln, sowie Filmmaterial aus Werksfilmen von Krakaus Firma.
Bei dem Inhalt dieser Filmdose könnte es sich um Material für die 1958 im Rahmen der C.B.S (Columbia Broadcasting System Inc.) Serie „See it Now“ gedrehte Folge „Watch on the Ruhr - A report on the status of Germany since 1945“ handeln. Dieser Film enthält u. a. Szenen aus Köln, allerdings mit dem Fokus auf Zerstörung im 2. Weltkrieg und Wiederaufbau13. Die hier erhaltenen Szenen scheinen teilweise in der Zeit des 3. Reichs, jedoch vor dem Beginn des Kriegs, bzw. länger nach Kriegsende entstanden zu sein.
Das Negativmaterial wurde auf Eastman Kodak Nitrate-Film aufgenommen, deshalb erscheint die im Negativ schwarze Hersteller- und Materialkennung im Positiv weiß. Da die schwarze Kennzeichnung des Positivmaterials auf dem Rand des Films beim Ausbelichten unleserlich wird, wurde zur Zeit der Einführung des Sicherheitsfilmgesetzes 1957 nur Filmmaterial akzeptiert, welches die Herstellerfirma, versehen mit dem Zusatz Safety, Nonflam oder dem Buchstaben S für (Sicherheit, Safety, Sécurité) in den Perforationsstegen einbelichtet hatte. Auf diese Weise wurde die Identifizierung als Sicherheitsfilm bei belichtetem Material sichergestellt. Das Schriftbild der Kennung AGFA S deutet zudem auf AGFA Wolfen (im Gegensatz zu AGFA Leverkusen) als Hersteller hin14.
Willy Krakau hat auch Archivmaterial von anderen Filmen übernommen. Hier z.B. von der Rhythmoton Filmproduktion, die auch Werksfilme für die Firma Esso hergestellt hat.
Die meisten Filmdosen aus unserer Sammlung, die Material enthalten oder enthalten haben, das Willy Krakau zugeschrieben werden kann, sind mit einer, teils schwer entzifferbaren, Sütterlin Mischschrift beschriftet.
„Abfall Gruben Negativ
Trümmer auf dem
Rhein Positiv und
Negativ auch Abfall
Vorher Ausführen(?)
Neg. Hütte / Ausführen(?)
Brücke Deutz“
Willy Krakau hat wohl bis in die 1970er Jahre Kopien seiner Werksfilme bzw. Archivmaterial im Mülheimer Kopierwerk von Friedrich und Ludwig entwickeln lassen. In den 1960er Jahren hat er dort wohl auch 35mm-Nitromaterial seiner eigenen Filme und möglicherweise auch Teile des Epkens-Materials auf Sicherheitsfilm umkopieren lassen. Später soll das gesamte von Epkens übernommene Archivmaterial an Krakaus Mitarbeiter Hermann Kahlo gegangen sein, der es wiederum dem WDR und dem Historischen Archiv der Stadt Köln überließ.15
Filmstill aus unserer Sammlung Archivmaterial Köln.
1 Zeugenaussage Willy Krakau RWWA 523-1-4
Bitte Bilder für eine vergrößerte Darstellung anklicken. Hier wird eine Auswahl der Werksfilme, die die Firma Industrie-Film Willy Krakau ab 1948 produziert hat, vorgestellt.
Die Zusammenstellung erfolgte mit Hilfe der Angaben aus dem Buch Industriefilm 1948 - 1959, Filme aus Wirtschaftsarchiven
im Ruhrgebiet, sowie der Kopien und Filmdosen aus unserer Sammlung. Sie wird ständig korrigiert und erweitert. Hinweise und Verbesserungen
sind immer willkommen. Titelzusatz:„Vom Werden der Rheinbrücke Köln-Mülheim“ Technischer Stab: Bemerkung:
2
Erhard Schütz: „Jene blaßgrauen Bänder“ oder „Anmut, Härte und Zielstrebigkeit“.
Die Reichsautobahn in Literatur und anderen Medien des „Dritten Reiches“. In: IASLonline. Online Archiv. 2. Mai 2000, Anhang 4,
Filme zur Reichsautobahn.
3 https://www.koeln-im-film.de/filmgeschichte/koeln-nach-1945/koelner-filmemacher-nach-1945
s.a. C.Aretz, I.Schoor, Köln im Film S.146.
4 Zeugenaussage Willy Krakau RWWA 523-1-4
5 http://www.filmarchives-online.eu/viewDetailForm?FilmworkID=3505d1610e0746ca52ff3e846383441b&content_tab=deu
6 Industriefilm 1948 - 1959, Filme aus Wirtschaftsarchiven im Ruhrgebiet S.213
7 https://kinematografie.org/berufsverband/verbandsgeschichte.php
8 http://filmlexikon.uni-kiel.de/index.php?action=lexikon&tag=det&id=8386
9 Industriefilm 1948 - 1959, Filme aus Wirtschaftsarchiven im Ruhrgebiet S.217
10 Das große Film- und Kino-Adressbuch 1960/61 10.Auflage Neue Verlags-Gesellschaft mbH Karlsruhe S.902
11 Kinokarte für 5 Pfennig - Kölns ältester Kameramann plaudert, Kölner Stadt-Anzeiger v. 09.09.1964, RWWA 523-2-1
12 http://www.filmarchives-online.eu/viewDetailForm?FilmworkID=868c876a71235074df93ae0d8c0703d0&searchterm=willy+krakau
13Industriefilm 1948-1959 Filme aus Wirtschaftsarchiven im Ruhrgebiet S.134
14Zeiss Ikon, Bild und Ton, Heft 53, Sept.1957, Behrendt, Der Sicherheitsfilm S.58
15C.Aretz, I.Schoor, Köln im Film S.146.Filmographie
„Rheinbrücke Köln-Deutz - Räumung und Neubau 1945-1948, 1948“, 1932
„Schwingender Stahl-Rauschender Strom“, 1951
Dieser Film wurde am 14. September 1951 in den Union-Lichtspielen in Köln-Mülheim, Frankfurter Straße 43-47, uraufgeführt16.
„GHH Werk Sterkrade - Werk und Erzeugung“, 1952
„Kleinförderwagen im Fließbandverfahren“, 1954
Pfannen-Sinteranlagen Bauart GHH, 1955
Seile aus Stahl, 1955
Technischer Stab:
- Regie = Hermann Kahlo
- Kamera = Willy Krakau
- Musik = Rolf Spangenberg
GHH-Schraubenverdichter 1959
Gutehoffnungshütte - Im Bergbau 1959
Industriefilme existierten, je nach Auswertungssituation in den Formaten 16 und 35mm, sowie in verschiedenen Sprachfassungen.
Schachtauskleidung in Stahl 1959
Werksfilmmaterial für die Bochumer Eisenhütte Heinrich Toussaint und Egmont Heintzmann.
Maschinenfabrik Froriep GmbH
Werksfilmmaterial für die auf Walzwerke spezialisierte Maschinenfabrik Sack Gmbh
Werksfilme für die Schloemann AG, Düsseldorf
2500 t Schmiedepresse ca. 1954
Kontinuierliche Halbzeugstraße Oberhausen, 1955
Werksfilmmaterial für die Firma Eickhoff Stahl-Metallbau in Möhnesee.
Kurvengängige Stahlgliederbänder, 19??
Werksfilme für Sinalco, Detmold
16 Industriefilm 1948 - 1959, Filme aus Wirtschaftsarchiven im Ruhrgebiet S.215
17 https://www.sack-kiesselbach.de/unternehmen/firmengeschichte, https://de.wikipedia.org/wiki/Hugo_Sack