Cinemathek Köln
Eine subjektive Auswahl
ZurückGründung, Anfangsphase
Die Cinemathek Köln wurde 1967 durch Filmjournalisten und Mitglieder der Vorläufer-Organisation AGF (Arbeitsgemeinschaft für Filmfragen an der Universität Köln) gegründet. Es folgten erste Programmreihen im Wallraf-Richartz-Museum der Stadt Köln. 1970 erfolgte der Eintrag ins Vereinsregister als gemeinnütziger Verein in privater Trägerschaft
Vereinszweck
1975 wurde die Cinemathek von einem zweiköpfigen ehrenamtlich tätigen Vorstand nach BGB §26 (Gert Berghoff und Helmut W. Banz) geleitet.
Protagonisten
Neben Berghoff und Banz war Alice Goetz die dritte tragende Säule der Kölner Cinemathek. Goetz, die nach Angaben ihres späteren Mannes Gert Berghoff schon
in der AGF aktiv war, begleitete die Retrospektiven und Filmreihen der Cinemathek publizistisch (siehe Bibliografie) meist unter Mitwirkung von Banz.
Auch auf den Cinemathek-Programm-Faltblättern erschienen u.a. Filmbesprechungen von ihr.
Vereinszweck
„Filme zu zeigen, die man sonst nicht zu sehen bekommt.“
Im Programm Mai/Juni 1988 firmierte die Cinemathek mit dem Zusatz Filmarchiv – Filmvorführungen – Fachbibliothek - Dokumentation – Foto/Plakatarchiv
Die Programmkategorien sind unterteilt in:
- Filmgeschichte
- Monografie Werkschau
- Genre
- Themen
- Auswahlprogramm/Festivals
- Avantpremiere/Erstaufführung
Das Programm wurde zusammengestellt aus Vorschlägen und Anregungen der aktiven Mitglieder und KinobesucherInnen, daneben gab es auch Kooperationen mit dem Kulturamt Köln, den internationalen Kulturinstituten, sowie der Universität Köln. Ob ein Programmwunsch erfüllbar war, hing u.a. davon ab, ob eine Kopie ggf. im Originalton zu beschaffen war, die finale Endscheidung oblag dem „intendantisch“ tätigen Vorstand. Bekanntgegeben wurde das Programm auf farbigen Faltblättern im DIN A2-Format, auf der Vorderseite die tabellarische Programmübersicht, das stilisierte Wellen-Logo der Spielstätte Museum Ludwig (Stand 1988 - 1999, Informationen zu Ticketpreisen und Mitgliedschaft, die Hinterseite war für Filmstills, Besprechungen und Rezensionen reserviert. Die Faltblätter erschienen sechs bis siebenmal pro Jahr, in wechselnden Farben (Stand 1988 bis 1999: magenta, grau, hellgrün gelb, orange). Die ersten Programmreihen der Cinemathek Köln beschränkten sich auf einige Wochenenden (Stand 1971). Ab 1973 fand es regelmäßig an allen Wochenenden und dienstags statt. In den letzten Jahren der Cinemathek Köln (Stand 1999) war an allen Tagen außer Dienstag Programm.
Spielstätten
Wallraf-Richartz-Museum, ab 1986 hauptsächlich Museum Ludwig
Technik
Wallraf-Richartz-Museum: Zeiss Ikon Ernemann VIII B für 35mm Lichtton, Bauer Selecton II O für 16mm Licht- und Magnetton
Museum Ludwig: zwei Kinoton DP 75 Projektoren ermöglichten neben 35mm die Vorführung von 70mm Filmen, Stummfilme konnten in Geschwindigkeiten unter oder über der Tonnorm von 24 Bildern pro Minute gezeigt werden. Für 16mm war Zweiband-Projektion möglich: synchrones Abspielen von Kopien mit getrenntem Bild und Tonmaterial. (Vom Sehen im Dunkeln, S.125ff)
Zu Zeiten der Cinemathek Köln war die Ausstattung mit analogen Projektoren die Norm und das Filmvorführen eine Kunst. Die historisch korrekte Präsentation klassischen Filmmaterials konnte so gewährleistet werden.
Vereinsetat
Nach Angabe von Berghoff im Jahr 1990 wurde der Jahresetat zu ¾ aus Mitgliedsbeiträgen und dem Verkauf von Eintrittskarten gedeckt, die restlichen 1/4 kamen von der Stadt Köln als Betriebskostenzuschuß. Aus diesem Etat zahlt die Cinemathek auch die Miete für ihre zweite und letzte Spielstätte im Museum Ludwig.
In den 1990er Jahren trat Gert Berghoff nach außen eher als Geschäftsführer denn als ehrenamtlicher Vereinsvorsitzender auf. Seit 1982 war er ständig in der Jury Deutschen Kamerapreis Köln, ein Teil der Wettbewerbsbeiträge wurden in einem Festival in der Cinemathek gezeigt. In einem Interview mit Anita Post (in: Vom Sehen im Dunkeln B.Fischli S.136ff Interview mit Gert Berghoff v. Anita Post) definiert Berghoff die Cinemathek als „Filmmuseum nach Art einer Bibliothek“ die dem potentiellem Besucher das Gesamtspektrum Film (von den Anfängen bis zur Gegenwart) ohne pädagogische oder interpretative Form erschließen soll. Eine vom filmwissenschaftlich geschulten Vorstand vorgegebene Gliederung und Struktur soll der Öffentlichkeit die Annäherung an die Kunstform Film erleichtern, Berghoff scheute dabei nicht den Vergleich mit dem Moma, der Cinematheque Francaise und dem British Film Institute etc. Berghoff sieht die Cinemathek nicht als Ersatz für ein Kommunales Kino in Köln, da es genug eigenständige Initiativen in Köln gäbe, die das gesamte Spektrum abdecken.
Zur dieser Zeit wollte die Stadt Köln das Gelände am ehemaligen Güterbahnhof Gereon an der Maybachstraße durch Ansiedelung entsprechend tätiger Unternehmen
als „Mediapark“ etablieren. Erstes Projekt einer neugegründeten Mediapark Entwicklungsgesellschaft war das Festival NRW/Köln 1990, dessen Leitung die Stadt
Gert Berghoff übertrug.
Am 30. September 2001 starb Gert Berhoff.
Obwohl noch Belege nachgereicht wurden, wirkte die Demontage Berghoffs nachhaltig. Seine Leistungen für die Film- und Kinogeschichte Kölns, sein umtriebiger Einsatz für die Cinemathek sind vergessen, in Erinnerung geblieben sind Festivalpleiten, und fehlende Taxiquittungen. In offiziellen Plattformen zur Kölner Filmgeschichte haben im (Gegensatz zu Banz), weder Berghoff noch Goetz bis dato einen Eintrag im Personenregister, das publizistische Erbe der Cinemathek ist zumindest dort nicht erschlossen. Im Nachhinein verwundert der aggressive Umgang mit Berghoff. Bei einer ähnlich gelagerten Kontroverse ist die Berichterstattung gnädiger. ‚Statt in der „Medienstadt“ Köln ein Kommunales Kino zu etablieren, wurde diese Aufgabe immer wieder an Vereine delegiert – freilich ohne sie finanziell entsprechend auszustatten. So ist man für die filmkulturelle und vor allem filmhistorische Grundversorgung abhängig von Vereinen, in denen einzelne Personen viel Herzblut und Wissen in kaum bezahlte Programmarbeit investieren, aber wenig mit Vereinsrecht oder Buchführung anfangen können‘. Die Stadtrevue Nr. 12 2020 S.64 Verein vs. Verein S. v. Reden
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