Das Projekt CineCorsoCologne
ZurückDie Idee:
in der Medienstadt Köln ein Lehr- und Experimentier-Kino für historische Aufführungspraxis mit angeschlossenem Archiv, Kinemathek und Kinowerkstatt aufbauen.
Zu diesem Zweck wollen wir einen Verein gründen. Bei einem ersten Treffen haben wir für die Satzung schon einmal einige Vereinsziele konkretisiert, hier ein Auszug:
§ 2 Ziel und Zweck des Vereins 1. Der Hauptzweck des Vereins soll die Schaffung und der Betrieb eines Kompetenzzentrums zum Erhalt des analogen Filmerbes und dessen authentische Präsentation mittels analoger Projektionstechnik sein. Der Satzungszweck wird verwirklicht insbesondere durch:
(1) Etablierung, Fortführung und Weitergabe einer archivwürdigen historischen Vorführpraxis in allen Normal- und Schmalfilmformaten. Geschwindigkeitskorrigierte Vorführung von Filmen, die vor der Lichttonnorm gedreht worden sind (Stummfilme).
(2) Weitergabe des Wissens über Wartung und Erhalt der analogen Projektionstechnik in Vorführraum und Kinosaal. Dies beinhaltet auch die Neuproduktion von heute nicht mehr erhältlichen Ersatzteilen mittels klassischer Technik (Drehen, Fräsen) und moderner Techniken.(3D-Druck, CNC/CAD) sowie notwendige Kenntnisse in Elektronik.
(3) Weitergabe des Wissens über die Pflege, Konservierung und Regenerierung von analogem Trägermaterial.
(4) Vorstellung des gesamten Spektrums der klassischen Filmkunst: Spiel-, Kurz-, Dokumentar-, Experimental-, Industriefilm, Wochenschau sowie „Direct Film“ im vereinseigenen mit klassischer Kinotechnik ausgestatteten Programmkino oder mittels mobiler Anlage als Wanderkino. Die Vorführungen sollen regelmäßig durch Einführungen begleitet werden, nach der Präsentation soll es Gelegenheit zum Austausch über das Gesehene geben.
(5) Die Erforschung insbesondere der klassischen Film- und Kinogeschichte Kölns anhand historischer Publikationen und durch den lebendigen Austausch mit Zeitzeugen.
(6) Herausgabe von Publikation aus den Bereichen Film- und Kinotechnik sowie Film- und Kinogeschichte in analoger Form, bzw. in digitaler Form auf dezentralen, nicht gewinnorientierten Plattformen.
Die Hardware
Die von uns im Jahr 2016 geborgene Projektionstechnik der Corso-Lichtspiele, eines vergessenen Stadtteilkinos, soll zur Grundausstattung unseres Kinos werden.
Was macht diese Anlage so einzigartig?
Darauf gehen wir auf einer Themenseite näher ein. Kurz gefasst: Der 1950er-Jahre Neubau der Corso-Lichtspiele erfüllte perfekt das, seit den frühen Jahren der Kinematographie etablierte Prinzip, die eigentliche Technik so weit wie möglich vor dem Publikum abzuschotten. Natürlich spielte, insbesondere vor der Einführung des Sicherheitsfilms auch Brandschutz eine Rolle, hauptsächlich ging es jedoch darum, technische Details und Geräusche der illusions-erzeugenden Maschinen unsichtbar und unhörbar zu machen.
Während der Saal also mit Wandbespannung, Beleuchtungskörpern, Bestuhlung, Vorhang und Leinwand, prunken durfte, führte die Projektions- und Steuertechnik ihr Schattendasein in einem myzelartigen Geflecht höhlenartiger Funktionsräume, wo Vorführende wie Trolle oder Heinzelmännchen im spärlichen Licht funzeliger Notbeleuchtung ihren Dienst verrichteten.
Die Wiederentdeckung der Projektionsanlage stellt das Prinzip auf den Kopf. Der Saal, einstige Hauptattraktion des Kinos auf der Hauptstraße, ist profaniert und verwüstet, die Projektionstechnik im Verborgenen geborgen.
corso ital.: der Lauf (der Zeit), die Hauptstraße, die Prachtstraße, die Schaufahrt, der Kursus
Das CineCorsoCologne-Projekt widmet der Projektionstechnik, die den Lauf der Zeiten überdauerte, nun eine Schaufahrt: Restauriert, gereinigt und in neuen Räumen wieder aufgebaut, soll sie dazu einladen,
- die Technik, in der die größten Werke der Filmgeschichte konzipiert und rezipiert wurden, unmittelbar kennen zu lernen
- sich als Vorführer, und/oder als Zuschauer, das Wissen über diese Technik anzueignen und den Umgang mit dem Material Film zu erlernen.
- „Lebende Bilder“ in historischer Laufgeschwindigkeit mit historischer und moderner Illustration zu erleben.
- dem Publikum neben einer handwerklich gelungenen Vorführung den Mehrwert der analogen Projektion zu vermitteln.
- einen konstruktiven, dialogbereiten Gegenentwurf zu einer oft unreflektiert und naiv durchgeführten, alle Bereiche unhinterfragt durchdringenden Digitalisierung mitzuentwickeln.
- in einer vermeintlich unvollkommenen und deshalb nur noch historischen Technik von gestern eine eigene Kunstform und nicht zuletzt ein Modell für Nachhaltigkeit zu entdecken.
Was können wir projezieren?
- Alles was im 35mm-Format existiert, Stummfilme in variabler Geschwindigkeit.
- Durch Einbau der historischen Brandschutzeinrichtungen, sowie weiterer Sicherheitsmaßnahmen und Schulungen der Vorführenden, wollen wir zumindest theoretisch die Möglichkeit schaffen, projezierfähige Nitrofilmkopien vorführen zu dürfen.
- Wir können historische Kinodias in Formaten bis 6x6 vorführen.
- Die Anlage soll um einen Bauer Selecton II O 16mm-Projektor ergänzt werden.
- Weitere Schmalfilmformate können in Sonderaufführungen im Zuschauerraum projeziert werden.
Was können wir (noch) nicht projezieren?
70mm-Breitbildformate...oder hat vielleicht jemand zwei Bauer U2 übrig? Übrigens: Wußtet ihr, daß es den sogenannten Breitfilm schon um 1896 gab? Da es sich um Schwarzweiß-Aufnahmen (maximal einzeln von Hand koloriert) handelte, wurde er auch nicht rotstichig, wie seine Nachfolger aus den 1960er Jahren.
Warum nur analog?
Die Erfahrung hat uns gezeigt, daß, vorhandene digitale Projektionsmöglichkeiten aus Kostengründen, Pragmatismus oder Bequemlichkeit letztendlich bevorzugt werden. Hier soll die analoge Kinokultur gefeiert werden und nicht als halbherzig am Leben gehaltene „Legacy“-Vorführpraxis mit vermeintlich fortschrittlicheren und zeitgemäßeren Technologien konkurrieren müssen.
Zielgruppe
Wir verstehen uns explizit als ein generationsübergreifendes Projekt. Wir haben in unseren Reihen (pensionierte) Kinotechniker*innen und Vorführer*innen, deren Expertise wir im Rahmen dieses Projektes bergen und für nächste Generationen erhalten wollen. Wir suchen noch weitere Personen mit Kinoerfahrung und aus kinematografischen Berufen.
Daneben suchen wir Kinotechniker, alle die sich mit traditionellen metallverarbeitenden Berufen und Ersatzteilfertigung, mit 3D-Druck und CNC-Drehen und -Fräsen auskennen.
Darüber hinaus ist natürlich jede(r) willkommen, den unser Projekt interessiert, es werden keine Kenntnisse vorausgesetzt.
Programm
Wie in der Satzung konkretisiert, wollen wir genreübergreifend alles zeigen, was (noch oder vielleicht nur noch) in analoger Form zur Verfügung steht, als Programmkino wollen wir die Idee der leider damals geschlossenen Cinemathek Köln wiederbeleben. Übrigens: Wusstet ihr, daß die ersten städtischen Lichtspiele in Köln in Jahr 1920 gegründet wurden?
Zum Seitenanfang